Da schließt sich der Kreis - Als Stoff zu uns gekommen geht es als Tasche nach Hause

Als mir im Frühjahr klar wurde, wir werden zum Geburtstag meiner Schwägerin in Australien sein, da wusste ich gleich, was ich ihr schenken ...

Als mir im Frühjahr klar wurde, wir werden zum Geburtstag meiner Schwägerin in Australien sein, da wusste ich gleich, was ich ihr schenken möchte. Denn sie liebt Taschen und bereits 2014 durfte ich ihr eine Reversivble Shoulder Bag von Sew DIY (ehemals Lula Louise) nähen. Sie war davon ganz begeistert und so machte ich mich heuer wieder an das altbewährte Schnittmuster, denn nach drei Jahren kann man gut eine neue Version gebrauchen.


Wir recht ich damit haben sollte, erfuhr ich vor Ort, als sie mir freudestrahlend erzählte, es wäre dringend Zeit für eine neue Tasche, ihre Alte habe sehr unter der UV Strahlung gelitten.

Das Schnittmuster stand also schnell fest, aber was für ein Stoff sollte es sein? Sie liebt lila und schöne Muster, soweit so klar. Da ich kurz zuvor auf Karlotta Pink gestoßen bin, ein unglaublich schöner und vor allem auch noch engagierter Onlineshop fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Denn dort gibt es australische Stoffe.


Wie cool ist das denn, meiner Schwägerin in Australien eine Tasche aus australischem Stoff zu schneken? Den Stoff also wieder in seine Heimat zurück zu bringen? Die Idee gefiel mir gleich richtig gut. Und so bestellte ich Stoff in ihrer Lieblingsfarbe. Ich wählte den kleingemusterten "Plum Seeds" und das erkennbar australische Muster "Bush Tucker". Wie bei den Aborigines üblich, erzählt jedes Muster, jedes Bild eine Geschichte, meist aus der "Traumzeit" - einer spirituellen Ebene ohne Zeit und Raum.


Wie ihr unschwer erkennen könnt, habe ich nicht nur eine Tasche genäht, sondern gleich zwei. Denn ich selbst habe mich in die Stoffe "Fallen Seeds" ecru und stormy grey verliebt. Dazu liest man auf auf der "Geschichten zu den Aborigines Stoffen" Seite von Karlotta Pink: 

"In Utopia gibt es Pflaumenbäume im Überfluss und dementsprechend liegen unter den Bäumen sehr viele Samenkerne. Die Aborigini machen aus dem Mehl der Kerne sehr schmackhaftes Brot.  Auf dem Stoff sind die Schatten der Bäume und die darunter liegenden Samen abgebildet.
Bush-Pflaume ist eine Frucht, die in den subtropischen Woodlands des Northern Territory von Australien heimisch ist. Sie haben einen hohen Gehalt an Vitamin C und sind voll von Antioxidantien, Folsäure und Eisen. Die Früchte sind wichtiger Nahrungsbestandteil und Heilmittel für die indigenen Menschen des Northern Territory, die dort seit Jahrhunderten leben. Ihr Erfolgsrezept war ihr Wissen über Natur und Bush-Nahrung."


Und so machten sich die Stoffe erneut auf die lange Reise. Diesmal nicht auf Ballen gen Nord-Westen, sondern verarbeitet und ihrer Bestimmung zugeführt wieder in ihre Heimat gen Süd-Osten. Die "Bush Tucker" Tasche darf in ihrer ursprünglichen Heimat bleiben und wird meine Schwägerin hoffentlich lange an der australischen Ostküste begleiten.


Meine "Fallen Seeds" Tasche reiste mit uns 4000km durch Queensland und begleitet mich nun wieder in Deutschland durch den Alltag. Sie ist mir ein Teil meiner Erinnerung und Erfahrung in Australien geworden, ein kleiner Anker zwischen zwei ganz anderen Welten. Und wenn ich jemals wieder komme in dieses große Land, möchte ich mehr lernen über die Welt der Aborigines und ihre Sicht der Dinge kennenlernen.


Der Kreis hat sich geschlossen, die Stoffe haben - noch einmal oder sogar für immer - Heimatboden betreten und ich bin mit ihnen gereist. Die Geschichten die sich in den Mustern und Bildern finden, sind für uns oft nicht erkennbar, schwer verständlich. Doch für die Künstler spiegeln sie die eigene Vergangenheit und Zukunft wieder, ihr Sein und ihren Standpunkt in der Welt - einer Welt, die oft wenig Verständnis hat für eine andere Wahrnehmung. Ich wünsche mir sehr, dass indigene Bevölkerungen in allen Ländern ernst genommen werden und ihre Stimmen für ihre Belange und ihre Heimat gehört werden. Dass sie ihre Rechte geltend machen können und ihre Geschichte und Tradition nicht als Folklore und Überkommenes abgetan wird. Und ich wünsche uns allen mehr Respekt vor den Wünschen und Überzeugungen dieser Menschen.


Herzlich,
Janine


Verlinkt:

Zu fünft im Wohnmobil durch Queensland - Teil 4: Von Kuranda durchs Hochland wieder gen Süden

Jetzt bin ich schon beim letzten Teil unserer Reise durch Queensland, Australien angekommen. Die vielen Bilder, das Texte schreiben, das...


Jetzt bin ich schon beim letzten Teil unserer Reise durch Queensland, Australien angekommen. Die vielen Bilder, das Texte schreiben, das Route nachverfolgen hat ganz viele Erinnerungen hochgeholt und ich konnte nochmal alles neu bewerten und sortieren. Denn oft bleibt ja doch einiges auf der Strecke (im wahrsten Sinne des Wortes), wenn man so viele Eindrücke in so kurzer Zeit erlebt.

Hier könnt ihr alle vorangegangenen Teile nochmal nachlesen:
Zu fünft mit dem Wohnmobil durch Queensland
Teil 1: It all start's with Noosa
Teil 2: Von Tin Can Bay bis in die Capricon Caves
Teil 3: Eungella Nationalpark, Airlie Beach und ab nach Kuranda



Kuranda



Wir sind inzwischen in Cairns, nein bei Cairns angekommen. Cairns selbst streifen wir nur auf unserem Weg. Denn uns zieht es nicht in die Stadt. Sie ist vor allem das Tor zum nördlichen Great Barrier Reef und diesen Punkt der Reise haben wir ja schon abgehakt. Ansonsten ist eine Stadt eine Stadt und vor allem für unsere Kinder wenig interessant. Also planen wir keinen Aufenthalt hier, sondern biegen links ab und fahren - mal wieder in Serpentinen - die Straße nach Kuranda hinauf. Da wir spät dran sind, kommen uns nur noch Autos entgegen, so gut wie niemand will mehr hinauf. Die Touristen sind schon abgereist, Zug und Seilbahn (ja, davon unten mehr) fahren nicht mehr, der Markt ist geschlossen.



Wir bauen unser Wohnmobil im Kuranda Rainforest Accomodation Park auf, dem Campingplatz direkt im Regenwald. Er liegt mitten im Wald, ein Stück außerhalb des Ortes. Der kürzeste Weg geht direkt an den Gleisen lang. Uns gruselt es, bis man uns am Folgetag sagt, auf diesem Streckenabschnitt fährt nur noch 1x im Jahr ein Zug. Dennoch sind wir froh, wenn wir nicht auf den Gleisen laufen müssen. Die Kinder freuen sich am Abend noch über den kleinen Pool auf dem Platz und kämpfen mit der Tatsache, dass wo Bäume sind auch Tiere auf dem Klo in den Ecken sitzen. Dabei waren es nur Minispinnen,  nicht anders als bei uns, keine davon giftig. Trotzdem. Die Kinder beklagen ihre aussichtslose Lage ausgiebig. Und nein, wir lassen sie nicht auf dem Wohnmobilklo pieseln, denn wir wollen es gar nicht nutzen oder putzen.


Am nächsten Tag gehen wir dann in den Ort und beobachten fasziniert das Treiben. Seit Jahrzehnten gibt es hier im Regenwald diesen Hippie-Touri-Markt, der täglich um 9 Uhr seine Pforten öffnet und Touristenmassen anlockt. Wer nicht mit dem Auto hinauf fahren will, kann sich direkt von Cairns nach oben befördern lassen: Via Skyrail und Scenic Railway. Diese starten im Tal und bringen Besucher per Gondel oder Zug hinauf und wieder hinunter. Oben schlendern dann alle Nationaltitäten durch den Ort und kaufen Nippes und trinken Kaffee. Neben Markt und Fahrattraktion bietet Kuranda auch ein paar Attraktionen wie das Butterfly Sanctuary, Bird World, Koala Gardens, Riverboat Cruises oder die Candy Kitchen.


Letztere besuchen wir als erstes, schließlich finden nicht nur die Kinder es cool, zuzugucken, wie die Bonbons, die man kaufen (und kosten) kann, hergestellt werden. Natürlich kaufen wir auch ein paar Bonbons für den Eigenverzehr und als Geschenk.

Dann schlendern wir durch die Gassen und bestaunen das rege Hippie- und Aussteigerleben. Wir treffen einen Aborigini, der uns ein paar Abkürzungen zum Ort zeigt und ein wenig über sich erzählt. Trifft man im Süden Australiens kaum auf Aborigines, so haben sich rund um Cairns viele angesiedelt. Auch in Kuranda wohnen seit Generationen viele Familien und leben vom Ort und Tourismus. Sei es durch Arbeiten auf dem Bau oder bei typischen Touristenvorstellungen mit Tanz oder Didgeridoo spielen oder als Naturführer, der den erstaunten Touristen einiges über "Bush Tucker" (Essbares aus dem Busch) oder giftige Pflanzen beibringt.


Der Umgang der weißen Bevölkerung mit Aborigines ist, so merken wir immer wieder mal, geprägt durch eine Mischung aus ungutem Gefühl und Verdrängung. So wirkt es jedenfalls auf uns. Im Süden scheint es eher ein "was man nicht sieht, muss einen nicht bekümmern" zu sein, es gibt wenig Hinweise auf aborigines Leben und Geschichte. Dies versuchen viele Gruppen durch Eigeninitiative mit Kulturzentren zu ändern. Fragt man nach indigenem Leben an Orten, hört man oft, dass früher mal Aborigines hier gelebt haben, dann aber weiter zogen. Das Zutun der Siedler und die unsägliche australische Politik wird selten thematisiert. So ist dieses Land sehr weiß geprägt und Aborigines bekommen meist nur eine Touristenunterhalterrolle zugeteilt, um dem Besuch aus Übersee ein bisschen was zu zeigen.
Im Busch denke ich, ist das wieder anders. Und es gibt auch gute Touren, die es ermöglichen, die andere kulturelle Seite, die ältere Seite Australiens kennen zu lernen. Ich bin da etwas zwiegespalten, was das touristische Vermarkten einer Kultur angeht. Denn schnell wird dann aus Kultur Folklore. Und oft endet das Verständnis für andere Kulturen gerne mal dort, wo man als Tourist auf sein Recht besteht, Orte zu besichtigen, obwohl dies nicht erwünscht ist, wie zum Beispiel am Uluru.


Jetzt bin ich aber etwas abgeschwiffen in ein wichtiges Thema und muss versuchen die Kurve zu bekommen. In Kuranda lebt also eine bunte Mischung aus Aussteigern jeglicher Länder und eine große Zahl Ureinwohner. Und zumindest unsere Bekanntschaft fand sein Leben in dem Ort seiner Kindheit super und wünschte uns noch einen wundervollen Tag im Ort. (Er hatte übrigens rudimentäre Deutschkenntnisse, wie so mancher Australier - Deutsch ist als Fremdsprache nämlich tatsächlich in australischen Schulen wählbar.) 


Nach unserem Gepräch und einer guten Tasse Kaffe gehen wir noch schnell ins Butterfly Sanctuary, weil wir wenigstens etwas der vielen Attraktionen mitnehmen wollen, bevor wir unsere Rundreise mit Zug und Gondel beginnen. Ich mag ja Schmetterlinge sehr und wünschte mir, dass solche Orte wie das Sancturary doch mal zu Zeiten öffnen würden, wenn die Schmetterlinge noch träge sind - früh morgens also. Zur regulären Öffnungszeit sind die Falter schon so aktiv, dass scharfe Fotos quasi unmöglich sind. Aber das Auge sieht ja auch viel und das Herz macht die schönsten Bilder.

Von der Reise in den Regenwald per Zug und Gondel hatte ich ja weiter oben schon kurz erzählt. Eines vorweg: Man muss vorab buchen. Einfach so mitfahren geht nicht. Und eine günstige Nummer ist es auch nicht. Dafür aber wirklich klasse.


Wir fahren falsch herum mit. Will heißen: Von Kuranda runter und wieder rauf. Also nicht typisch für Tagesbesucher. Daher müssen wir den späten Zug und die letzte Gondel nehmen. Ins Tal geht es per Scenic Railway. Während der Fahrt halten wir immer mal wieder an um Fotos machen zu können. An den Barron Falls steigen wir aus und schauen auf sie hinab. Sie sind zu dieser Zeit nicht sehr imposant, zu wenig Regen. Wenn aber die Regenzeit beginnt, dann bildet sich ein beeindruckender Wasserfall.


Außerdem lernen wir auf der Fahrt alles, was es zum Schienenbau hoch in den Regenwald zu wissen gibt. Wie mühsam das Vorbereiten der Strecke war und das heutige tote Orte damals in 19. Jahrhundert bewohnt waren von Streckenarbeitern und ihren Familien. Später kamen dann die Hippies nach Kuranda und öffneten ihren Markt für Urlauber und Talbewohner. Nach 2 Stunden Fahrt durch den Regenwald kommen wir im Tal an und werden von netten Shuttelbusfahrern zur Seibahn gebracht. Denn beide Bahnhöfe liegen nicht beieinander. Zusammen mit einer überschaubaren Gruppe fahren wir mit den letzten Gondeln wieder hinauf.


Diese Fahrt über die Gipfel des Regenwaldes mit dem Skyrail ist wirklich ein Erlebnis. An zwei Stationen kann man aussteigen und viel über den Wald und seine Lebewesen erfahren. Wir bestaunen die Barron Falls von der anderen Seite der Schlucht aus nochmal, treffen auf einen Kasowari an der Toilette, genießen das Gleiten über den Wipfeln und staunen über die größe des Waldes.

Auch wenn Kuranda ein sehr touristisches Fleckchen Erde ist, so ist diese Gondelfahrt doch etwas, was mich neben unserer Walbeobachtung tief beeindruckt hat. Und beides, Wale und Wald, haben bei mir auch das traurige Gefühl hervorgerufen, dass wir Menschen all das einfach zerstören. Weil wir unachtam sind, bequem oder ignorant. Diese Traurigkeit ist immer Teil meiner Erinnerung an diese beiden Erlebnisse. Wie schön diese Welt ist und wie sehr wir daran Teil haben, sie zu plündern.



Atherton Tablelands



Hach schon wieder so schwer, die Stimmung. Das geht so nicht. Denn dafür ist es einfach viel zu schön hier oben in Kuranda, wo wir zwei Nächte bleiben. Am Abreisetag, dem ersten Tag Richtung Süden!, geht es nicht wieder die Serpentinen runter, sondern hinten rum durch das Hochland, die Atherton Tablelands.

Hier ist es plötzlich ganz anders. Sanfte Hügel, Straßen soweit das Auge reicht und ein ganz anderes Grün als eben noch im Regenwald. Hier gibt es Milchfarmen, sehenwerte Natur und Kaffe- und Teeplantagen. Ja, ihr lest richtig. Hier wird Kaffee und Tee angebaut. Keine Frage, dass wir uns das angucken wollen.



Daher ist unser geplantes erstes Ziel im Hochland die Skybury Coffe Plantation bei Mareeba. Leider ist sie geschlossen, wer konnte das ahnen? Etwas enttäuscht suchen wir nach einer Alternative und finden Coffee Works in Mareeba. Eine Mischung aus Rösterei, Museum, Souvenierladen, Schokoladenmanufaktur und Café. Crazy? Crazy!
Wir probieren uns durch die Schokolade und den Kaffee (klare Empfehlung für den Saltet Caramel Cake!) und decken uns mit lokalem Kaffee und Tee ein.


Danach wollen wir mehr Natur. Also machen wir einen Abstecher in den Mount Hypipamee Nationalpark um The Crater zu bestaunen. Dieser vermutlich durch vulkanische Explosion entstandene Krater ist gut 86m tief und liegt an einem schönen Rundweg vorbei an kleineren Wasserfällen durch schattigen Wald.


Auf unserer weiteren Reise durch die Tabellands kommen wir auch am Milla Milla Falls vorbei. Eigentlich ein Rundweg zu drei verschiedenen Wasserfällen bleiben wir gleich beim ersten hängen. Das Wetter zieht zu und immer wieder regnet es. Daher sind - Glück gehabt - nicht so viele Touristen am Wasserfall und kaum einer traut sich ins Wasser.
Kaum einer ausser meine Tochter. Die will unbedingt hinein. Also gehe ich mit. Und schwimme ein wenig vor idyllischer Kulisse. Das Wasser hat Bergseetemperatur und sicher ist es nichts für ein langes Bad. Warum sich allerdings die dann ankommende Reisegruppe Jugendlicher so dermaßen aufführen muss und vor Kälte quietscht (die Jungs), kann ich nur auf Imponiergehabe zurückführen. Schon spannend, solche Dynamiken zu sehen. Wer traut sich ins Wasser? Die Mädels stehen derweil am Rand und gucken. Es ist doch immer das gleiche :)


Jetzt beginnt es aber richtig zu regnen und es steigt Nebel ins Hochland. Das bedeutet für uns aufbrechen zu unserem Schlafplatz. Leider können wir so nicht auf dem Baumwipfelpfad Mamu Tropical Skywalk laufen, den man nahe Innisfail praktischerweise in eine Zyklonschneise eingebaut hat. Das Wetter wurde wirklich ungemütlich. Auf so einer Reise muss man halt flexibel bleiben. Also fahren wir direkt durch bis

Mission Beach



wo wir eine Nacht bleiben. Und so sehr die Strände rund um Mission Beach auch traumhaft schön sind, die Nacht auf dem  Dunk Island View Caravan Park war echt schrecklich. Denn leider - da konnte nun aber der Campingplatz nichts dafür - veranstaltete ein Lokal direkt nebenan eine Party bis in die Morgenstunden und den monotonen Bass konnte ich bis 2 Uhr Nachts hören. Nirgenwo auf unserer Reise habe ich so schlecht geschlafen wie hier. Als dann um 6 Uhr der Bass erneut losging bin ich lieber aufgestanden und an den Strand gegangen. 


Und der ist wirklich schön. Dank eines Kajak-Wettbewerbs nicht menschenleer sondern voll, bot er dennoch wunderschöne Aussicht und durch die Wolken und das Regenwetter im Hinterland war er auch weniger tropisch idyllisch sondern wilder und dynamischer.


Während sich also die hochmotivierten Ruderer ins Wasser schwingen, mache ich lieber einen Spaziergang und lasse die Tage revue passieren. Bei unserer Anfahrt sind wir noch einem Kassowari Vater mit Baby begegnet, die die Straße in aller Seelenruhe für sich beanspruchten und uns nötigten, sehr langsam hinter ihnen herzufahren.

Nach einem langsamen Start in den Tag, ich bin ja leider übermüdet, fahren wir weiter, immer Richtung Süden. Richtig spontan entscheiden wir uns nach 230 km für eine Mittagspause in Townsville um doch noch das Reef HQ zu sehen. Ein Riff direkt am Hafen, in dem man kleine und große Meeresbewohner beobachten kann. Es wirkt wie ein Sealife, ist aber wesentlich informativer und dreht sich um alles, was im heimischen Gewässer unterwegs ist. Außerdem bietet es sehr viele Informationen rund ums Great Barrier Reef und dessen Schutz.


Der Eintritt ist preislich ok (70 AUD für eine Familie mit drei Kindern) und man kann sehr gut eine längere Mittagspause dort einlegen. Denn wir haben einiges an Weg vor uns. Unser nächste Ziel ist nämlich mein Highlight der Reise:


Cape Hillsborough Nationalpark


Der Cape Hillsborough Nationalpark liegt auf etwa gleicher Höhe wie der Eungella Nationalpark, nur nicht im Hinterland sondern direkt an der Küste. Von Townsville sind es noch weitere 360 km, weshalb wir im kleinen Ort namens Ayr übernachten. Hier lernen wir, wo Backpacker schlafen wenn sie auf den Zuckerrohrfeldern der Region arbeiten: Zum Beispiel im Big 4 Silverlink Caravan Village. Dort gibt es Bungalows, die sich alle teilen und früh morgens werden alle per Autoshuttle eingesammelt und zur Arbeit gefahren. Wer weiß, ob eines unserer Kinder in vielen Jahren auch einmal dort lebt und arbeitet.

Nach einer unaufgergeten Nacht geht es dann in den Nationalpark. Ich gebe zu, ich wusste nicht, wie schön es dort ist, denn ich wusste nur eines: dort kann man Kängurus im Morgengrauen am Meer sehen. Und das wollte ich erleben. Dabei gibt es im Nationalpark noch viel mehr zu tun. Bei Ebbe geht das Wasser soweit weg, dass man zu einer Insel laufen kann. Es gibt Wanderwege durch die Mangrovenwälder und einen wunderschönen kleinen Strand direkt am Cape Hillsborough Nature Tourist Park.


Dieser ist wundervoll in einen kleinen Wald am Ende der Zubringerstraße eingelassen und bietet eine schöne Mischung aus rudimentärem Nationalparkcampen und genug Luxus für Toiletten und Swimmingpool. Wenn wir jemals wieder herkommen, dann bleiben wir länger als eine Nacht. Denn der Ort ist himmlisch ruhig und von vormittags bis spät nachmittags auch fast leer, das fast alle Camper nur wegen der morgendlichen Kängurusichtung kommen.


Früher mal ein Geheimtip, kommen heute bis zu 100 Menschen jeden Morgen an den Strand für das "Schauspiel". Wir hatten also mit gut 40 Personen Glück, als wir um 6 Uhr morgens zum Strand runter gingen. Was ist denn nun so besonders an diesen Kängurus? 

Vielleicht, weil sie einfach da sind und sich nicht um uns kümmern. Dass sie täglich zum trinken an den Strand runter kommen und wahrscheinlich vor allem, das die Kulisse so wunderschön ist. Neben toten Roadkill Kängurus haben wir nämlich vor allem solche gesehen, die im Zoo oder Sanctuary lebten. Selten hoppelte uns mal eines so über den Weg.



Sie also im Morgengrauen in dieser schönen Stimmung zu beobachten, fand ich einfach toll. Denn ich weiß, dass vor allem viele Australier von diesen Tieren gernervt sind. Und wenn sie in Horden die öffentlichen Parks bevölkern, kann ich das auch nachvollziehen. Hier in dieser Umgebung aber ist es anders. Hier passt es zusammen, die Tiere und die Natur.


Inzwischen wird zusammen mit der Regierung und dem Nationalpark einiges an Vorsichtsmaßnahmen errichtet. So kommt immer ein Parkranger mit an den Strand und baut kleine Hütchen auf, die die Tiere und Menschen trennen sollen. Zum Einen zum Schutz der Menschen, die so dumm sind und für Selfies einen kräftigen Tritt eines ausgewachsenen Kängurus riskieren. Zum Anderen aber - und das vor allem - zum Schutz der Tiere vor dummen Menschen, die unbedingt so ein Känguru füttern müssen. Die Kängurus bleiben übrigens auf ihrer Seite, weil dort im Sand ein paar Leckerlis liegen, die vor allem eines sind: Medizin. Gegen falsche Nahrung.



Derweil erzählt der Ranger viel über die Kängurus, wer trächtig ist, wie viele kommen und warum man sie eben bitte nicht füttern soll. Von Selfies in riskanter Nähe kann er dann doch nicht abhalten und ich wundere mich ein wenig, wie viele Menschen nicht zuhören können.
Nach Sonnenaufgang gibt es erstmal heiße Getränke am Wohnwagen und wir bauen langsam wieder alles ab. Etwas wehmütig, weil doch der Platz viel zu bieten hat. Aber wir haben jetzt zum Ende einen Zeitplan, wollen unbedingt noch nach 1770 und dort bleiben. Also müssen wir weiter nach Süden fahren, immer auf dem Highway entlang.

Wir müssen wieder an Mackay vorbei bis Rockhampton, eine der langweiligsten Strecken der ganzen Route. Selbst die Straßenschilder zeigen dies. Überall steht "Are we there yet, Mom?" und "It's a long way to Rocky!" und "Trivia Games keep you awake". Wir sind froh, als wir die fast 400km endlich überstanden haben und unser Wohnmobil im Yeppoon abstellen können.

Leider leider nicht dort, wo wir wollten. Tatsächlich ist es das einzige Mal, dass wir nicht kurzfristig auf unseren Wunsch-Capmingplatz können. So muss Plan B herhalten und statt direkt am Strand gibt es jetzt eine Nacht auf dem Big 4 Capricorn Palms HolidayVillage mit Wasserrutsche und Open Air Kino für die Kinder.


Also verbringen wir den Abend mit Schwimmen, ankommen und dann Kino! Alle schleppen ihre Campingstühle und Decken auf die Wiese, versorgen sich mit Snacks und dann schauen wir "Turbo". Auf Englisch. Aber wen stört das groß? Alle sind ganz begeistert von diesem Abend und so sind wir nur ein bisschen traurig, den Strandplatz verpasst zu haben. Glückliche Kinder sind eben auch ein Garant für einen guten Urlaub. Und so langsam macht sich bei uns auch der Hüttenkoller bemerkbar. Störte uns die Nähe und Enge im Wohnmobil anfangs gar nicht, so kommen wir langsam aber sicher an unsere nervlichen Grenzen. Aufeinanderhocken geht eben doch nur eine bedingte Zeit lang gut.

Deswegen freuen wir uns besonders auf den letzten Teil unserer Reise. Denn der führt uns in das Städtchen

Seventeen Seventy 



Und bitte genau so muss es auch ins Navi eingeben werden. "Town of 1770" oder "1770" kennt es nicht. Ich weiß nicht, ob es auf der Welt noch einen anderen Ort gibt, der nur aus einer Jahreszahl besteht, die Wichtigkeit des Jahres wird aber sicher dadurch unterstrichen. Denn 1770 landet Kapitän Cook mit seiner HMS Endeavour an diesem Teil Australiens.


Gelegen auf der Halbinsel Bustard Bay gibt es neben diesem beschaulichen Ort noch das Örtchen Agnes Water, in dem sich vor allem Surfer finden. Wir aber wollen nicht surfen, sondern ausruhen, Kraft tanken und

... Kajak fahren.
Das machen wir mit Janina von 1770 Liquid Adventures und erleben ein paar tolle Stunden auf dem Wasser. Zu dritt und zu zweit paddeln wir während der Ebbe rund um Seventeen Seventy herum, füttern Fische und machen ein Picknick auf einer Sandbank.


Janina stammt aus Deutschland, lebt aber seit Jahren schon mit ihrem Mann hier und macht einen wirklich großartigen Job. Vor allem die Kinder fanden es prima, auch auf Deutsch erklärt zu bekommen, was sie tun sollen, welche Fische und Vögel sie sehen und dazu noch zu lernen, wie man richtig paddelt. 


Am Folgetag machen wir uns auf den Weg zum Bustard Bay Lookout. Dazu nehmen wir den Round Hill Head Walk, welcher direkt am Campingplatz beginnt und gehen durch den Joseph Banks Conservation Park immer weiter um die Bucht herum. Wir kommen am Cook-Denkmal vorbei und gruseln uns ein wenig vor den großen Spinnennetzen im Wald. Die "kleinen" Spinnen stellen schon erstaunlich große Netze her und wir haben etwas Sorge, dass sie auch über den Pfad spinnen. Zum Glück ist dem nicht so und wir kommen Spinnenfrei oben an.


Wir genießen die Aussicht und machen uns dann auf den Weg zum Wave Lookout und dem Endpunkt der Bustard Bay. Alles in Allem sind wir gut über eine Stunde unterwegs. Aber es ist ein lohnender Weg. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand.


Und an beiden Abenden genießen wir den Sonnenuntergang über dem Meer. Natürlich geht die Sonne nicht direkt über dem Meer unter, das geht ja rein geographisch schon nicht, aber trotzdem ist es ein wunderschönes Schauspiel, wie sie Sonne sich im Meer spiegelt und hinter der Landmasse verschwindet.


Für uns geht eigentlich schon an diesem Ort unsere Reise zu Ende. Natürlich müssen wir noch mal 380 km nach Noosa fahren und dort das Auto ausladen und etwas säubern. Und klar, das Ding will auch wieder zurück nach Brisbane. Das alles aber ist irgendwie abgekoppelt von unserem Gefühl, eine Reise getan zu haben. Die Länge von 19 Tagen war für uns genau richtig, kurz vor Ende setzte der Hüttenkoller ein und wir waren weder traurig noch erleichtert, als wir unser Schiff wieder abgeben mussten. Vielmehr waren wir voll und satt und glücklich über alles Erlebte.

Die letzten Tage verbrachten wir dann ohne große Abenteuer in Noosa und kamen noch einmal richtig zur Ruhe, bevor wir Abschied nehmen mussten von Australien, von Queensland, von Wärme, Strand und Meer und nicht zuletzt von meinem Bruder und seiner Familie.



Wir haben so viel erlebt, man kann es leicht vergessen. Diese Reiseberichte haben mir geholfen, noch einmal mit Abstand auf alles zu blicken und wichtiges festzuhalten. Erfahung und Bilder zusammen zu legen und manches zu vertiefen, was in der Flut der Erlebnisse vielleicht untergegangen ist.
Australien ist ein Land, dass ganz anderes tickt als Deutschland. In dem vieles, was wir für wichtig erachten, kaum Beachtung geschenkt wird. Artenvielfalt, Umweltschutz - das alles erscheint für Außenstehende oft ausbaufähig. Auch der Umgang mit der eigenen Vergangenheit hat scheinbar Lücken. Dafür ist es ein Land voller freundlicher Menschen. Mit jedem Verkäufer kann geplaudert werden, fast jeder ist offen für Begegnungen. Etwas, was uns hier sofort gefehlt hat, gleich schon bei der Einreise. Es ist eben ein ganz anderes Land. Faszinierend anders. Und sechs Wochen reichen nicht aus, um mehr als einen Eindruck zu gewinnen. Dieser aber ist Bleibend.

Herzlich,
Janine



Zu fünft im Wohnmobil durch Queensland - Teil 3: Eungella Nationalpark, Airlie Beach und ab nach Kuranda

Heute geht's weiter mit meinem Reisebericht aus Queensland, Australien . Wir sind schon bei Teil 3 angelangt und erreichen heute de...


Heute geht's weiter mit meinem Reisebericht aus Queensland, Australien. Wir sind schon bei Teil 3 angelangt und erreichen heute den Wendepunkt unserer Fahrt. Bevor wir dort ankommen erleben wir aber noch sehr viel grandiose Dinge und wer vorher die ersten beiden Teile nochmal nachlesen mag, der findet sie hier:



Kurz sei erinnert, dass wir am Ende des letzten Teils die Nacht auf dem grottigsten Campingplatz der Welt verbrachten. Ja, ich stichel meinen Mann ab und an noch damit. Vermutlich wäre ein Stellplatz irgendwo im Nix besser gewesen. Aber wir sind Schisser-Camper und unser High-End-Caravan verlangte für alles Strom. Zwar hätte der Kühlschrank auch kurzzeitig mit Gas betrieben werden können, das aber haben wir bis zum Ende unserer Fahrt nicht hinbekommen. Also parkten wir artig jede Nacht auf einem Platz mit Strom. Es hat nicht nur Vorteile, mit so einem Schiff durchs Land zu fahren. 

Nun lassen wir aber mal Marlborough und seinen idyllischen Campingplatz hinter uns und fahren weiter gen Norden. Dem Mann zuliebe bis hinauf in den  


Eungella Nationalpark



Durchs Pioneer Valley, immer entlang der Eisenbahngleise und Zuckerrohrfelder geht es hinauf. Erst gemächlich, so dass ich den Hinweis auf Serpentinen schon belächle. Hier 20km/h fahren? Echt? Waren die noch nie in Italien? Pfft.


Unsere beiden Reiseführer, der Lonely Planet Australien Ostküste (2014) und der Reise Know How Australien Osten und Zentrum (2015) machten es für uns nicht ganz einsichtig, ob oder ob nicht Teile des Nationalparks mit großem Wohnmobil befahren werden können. Der eine sagt so, der andere so. Wir (Anfänger und "Schisser-Camper", siehe oben) trauten uns deshalb nicht nach Finch Hatton George rauf. Weil da eben was von "unbefestigt" und "Fluss kreuzt die Straße" stand. Man mag mit einem 7,5m Schiff dann am Berg auch nicht festhängen.

Auch über den Weg nach Eungella und Broken River hieß es "steil in Serpentinen" und wir wussten nicht recht, was da kommt. Das überhebliche Grinsen verging mir dann nach einer Weile, als echte Haarnadelkurven immer häufiger wurden. Tatsächich kann man aber gut mit einem Wohnmobil bis Broken River fahren, man sollte sich aber an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Und für schnellere Autos Platz machen in einer der vielen speziellen Buchten. Ansonsten die Nerven behalten und einfach fahren. Ein bisschen Serpentinenerfahrung ist sicher auch nicht schlecht.


Während sich mein Mann auf die Straße konzentriert genieße ich den doch steilen Blick nach unten. Wir halten unterwegs an und gehen zur Aussichtsplattform "Sky Window" - ein "Fenster" im Wald, durch dass man auf das Pioneer Valley zurückblicken kann. Dann aber nehmen wir die restlichen steilen Meter und Kurven und landen in Broken River, wo man Schnabeltiere (Platypusse) beobachten kann und Wanderwege den Zugang zum Nationalpark ermöglichen. Denn der Großteil des Parks ist für Autos nicht befahrbar.

Die beste Zeit zur Schnabeltiersichtung ist früh morgens und in der Dämmerung. Doch wir sind am frühen Nachmittag da. Zum Glück bekommen wir gesagt, Platypusse wurden schon den ganzen Tag gesichtet, wir müssen nicht auf den Abend warten. Also gehen wir am Fluss entlang und halten den Mund geschlossen und die Augen geöffnet. Und tatsächlich: Wir sehen sie, die Schnabeltiere. Wesentlich kleiner als erwartet, sehr putzig und sehr scheu. Mein Mann ist verzückt, immerhin wollte er GENAU DAS sehen. Und die Jüngste nennt jedes Schnabeltier "Perry".

Foto: Lisa Schneider

Da wir jetzt viel früher als gedacht fertig sind mit Sichtung und weil auch keiner der Kinder - zu meinem Leidwesen - findet, wir sollten noch eine Wanderung unternehmen, fahren wir um 16 Uhr schon wieder weg. Denn wir werden nicht hier oben schlafen, zu wenig Möglichkeiten ohne Vorabanmeldung einen Platz zu bekommen und "Strecke machen" steht auch heute noch auf dem Plan. Da es um 18 Uhr schon dunkel wird, muss unser täglicher Streckenabschnitt gut geplant sein. Wir halten uns daran, möglichst nicht im Dunklen zu fahren - selbstverursachter Roadkill ist das letzte, was wir erleben wollen (die toten Kängurus und andere Tiere am Straßenrand reichen uns schon).


Also geht es für diese Nacht nach Blacks Beach, Mackay. Der BIG 4 Blacks Beach Holiday Park ist einer der besten Campingplätze unseres Trips. Er liegt direkt am Strand und bietet einen Pool für die Kinder und moderne Sanitäreinrichtungen (auch das war den Kindern immer wichtig, fragt nicht, was es für ein gejammere war auf den Nationalpark-Campingplätzen). Wir springen also noch in der Dämmerung durch die Wellen und sammeln Muscheln, bis wir eine Taschenlampe brauchen um den Weg zum Campingplatz zurück zu finden. Das Highlight folgt am nächsten Morgen, als die Sonne direkt überm Meer aufgeht und ich den menschenleeren Strand für mich habe. Nicht mal die Kinder wollten raus aus den Federn und so genoss ich das Anbrechen des neuen Tages in vollen Zügen ganz für mich alleine.


Dass wir weiterfahren müssen, finden besonders die Kinder sehr schade, der Pool und der Strand rufen. Aber wir wollen ja noch mehr sehen, keinen Campingplatz-Urlaub machen. Das haben wir so entschieden. So heißt es also: Pool ade, hit the road und ab nach Airlie Beach. Das Abenteuer wartet.



Airlie Beach


Dieser Ort ist quasi verschrien als Party-Meile der Backpackerszene. Wir landen im beschaulichen Ortsteil Cannonvale, 5km zu Fuß von Airlie Beach entfernt im Seabreze Caravan Park und besuchen das Ortszentrum bei unserem abendlichen Spaziergang. Und wir stellen fest, ja, die Reiseführer haben Recht. Die 20jährigen aller Nationen versammeln sich hier in diversen Restaurants, Kneipen und Hostels und machen die Nacht zum Tag. So sind wir gar nicht sehr traurig, nicht mitten im Zentrum zu schlafen, sondern sehr beschaulich ausserhalb.


Tagsüber ist es weniger wild und laut in Airlie Beach, denn neben der ganzen Feierei sind viele (oder fast alle?) hier, um raus aufs Meer zu fahren. Denn von hier ist der Startpunkt zum Great Barrier Reef !

Wie man zum Riff kommt, dafür gibt es Anbieter und Touren für jeden Geschmack. Vom mehrer Tage dauerenden Segelturn, Speedbooten bis hin zu Glasbodenboot schippern für ein paar Stunden ist alles möglich. Schnorcheln sollte man aber auf alle Fälle, sonst sieht man ja nichts von den Korallen. Nun gestaltete sich die Kombination "Schnorcheln - offenes Meer - Nichtschwimmerkind" schon bei der Planung als schwierig. Was macht so ein Nichtschwimmer, wenn die Familie auf einem Segelboot von einem Schnorchelspot zum anderen segelt und den Tag schnorchelnd verbringt? Die Antwort bezogen auf unser Kind: Radau. Denn sie liebt das Wasser, nur schwimmen kann sie halt nicht. Also war uns klar: Segelturn, forget it. Wir sind da einfach zu vorsichtig. Nichtschwimmer und offenes Meer, das geht für uns nicht zusammen. Besonders, weil wir selbst Schnorchenanfänger sind.


Was aber dann? Nur kurz per Glasbodenboot raus? Na, dann kann ich es auch gleich lassen. Nach einer Weile fanden wir das Angebot von Cruise Whitsundays, die ein Pontoon Reef betreiben. Heißt, man fährt mit einem Schnellboot raus, verbringt den Tag auf dem Pontoon mit Schnorcheln, Tauchen (kostet extra), Unterwasserfenstern, Semi-Submarine-Fahrt, Essen ... und abends geht's zurück. Für Nichtschwimmer allen Alters gibt es Schwimmwesten, Poolnudeln und Schwimmbretter. Außerdem komplett abgesicherte Schwimm- und Schnorchelbereiche mit Lifeguard. Alle anderen können nach Gusto auch weiter raus. Ich kann nur sagen: PERFEKT.


Jeder kann so lang ins Wasser, wie er will. Mein Mann nahm an einer geführten Schnorcheltour teil, ich lieh mir eine Unterwasserkamera (beides kostet extra) und unsere Nichtschwimmertochter hielt sich überall sicher auf und konnte auch schnorcheln gehen.


Leider war uns das Wetter nicht so gut gesonnen, was dazu führte, dass das Reef oft "verstaubt-grau" aussah. Erst durch die Sonne wird es richtig farbig unter Wasser, was wir immer dann sehen konnten, als ein paar Sonnenstrahlen den Weg durch die Wolken fand. Ein Crewmitglied erklärte uns auch, dass sie immer negative Reviews bekommen, wenn das Wetter schlecht ist, weil das Riff dann tot aussieht. Dabei ist die Korallenbleiche vor allem im Norden bei Cairns zu beobachten, im Süden ist sie noch nicht soweit fortgeschritten.


Weil wir bei der Recherche zu Hause schon recht angetan waren vom Anbieter Cruise Whitsundays, buchten wir damals gleich eine weitere Tour für den Folgetag. Diesmal auf den Whithaven Beach. (Man bekommt übrigens bei mehren Buchungen auch gleich Rabatt!)



Auch hier gibt es viele Anbieter und Möglichleiten. Segelboot, Katamaran, Flugzeug - alles geht. Außerdem variieren die Touren je nach Budget und Zeitfenster. Eine Kombitour von Whitehaven Beach und Hamilton Island ist genau so möglich, wie eine Halbtagestour an den Strand. Oder aber man macht eine Ganztagestour. Das haben wir getan. Denn dann kann man auch zum Hill Inlet hochgehen und von dort über den sich im Wasser verwirblenden weißen Sand blicken. Traumstrand mit Traumblick ist wohl die treffende Bezeichnung.


Der Whitheaven Beach, mit seinem Quarzgehalt von 99% einer der weißesten Stände der Welt, hat leider ein bisschen von seiner tropischen Schönheit verloren als ihn Zyklon Debbie im März 2017 traf. Dadurch, dass der Zyklon sich sehr langsam fortbewegte hatte er genug Zeit um eine Menge Verwüstung anzurichten. Die sonst so traumhaft auf den Strand ragenden Bäume erholen sich langsam, man rechnet mit einer wesentlichen Besserung nach dem Sommer.


Wir verbrachten den ganzen Tag dort, machten als Gruppe von 13 Leuten den Spaziergang zum Hill Inlet, spielten im Wasser und lümmelten am Strand herum. Eine Tour durch die Insel wollten diesmal von den ca 30 Personen nur zwei mitmachen, ich war eine davon. Damit hatten wir quasi eine Einzelbetreuung und konnten uns gut über Flora und Fauna und Allgemeines unterhalten. Und natürlich ab und an den Ausblick genießen.


Wir hatten eine super tolle Zeit dort und können allen nur die Ganztagestour empfehlen um sich so richtig vollzusaugen mit Eindrücken. Außerdem empfehlen wir allen, sich gescheit einzucremen. Mein Mann hat das zu lasch genommen und hatte einen übelst heftigen Sonnenbrand. Der weiße Sand reflektiert noch mehr als normalerweise. Wie sagte ein Crewmitglied: "Hier bekommt man an Stellen Bräune, die sonst keine abbekommen."



Der Tag verging wie im Flug und gegen Abend hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Die Fahrt mit dem Boot dauert eben auch noch eine Weile und bis man dann wieder an seinem Campingplatz ist, ist die Dunkelheit schon übers Land gezogen. Wir waren ganz gesättigt von Sonne und Schönheit und von den zwei Tagen fast schon erschlagen. Beide Male ging es sehr früh raus (Abholung um 6:15 und 7:00 Uhr) und erst im Dunkeln wieder nach Hause. Dazu all die Eindrücke - wir fielen nur noch in unsere Betten.


Townsville


Am nächsten Tag geht es für uns weiter und wir fahren die 280km bis Townsville. Unterwegs lassen wir uns nicht lumpen und nehmen noch ein wichtiges Kulturgut mit: The Big Mango - eines der Big Things in Australien. Immerhin sollen die Kinder ja auch was lernen auf der Reise. Und wenn es dazu selbstgemachtes Mango Sorbet gibt, dann sind auch die Jüngsten glücklich über die kleine Pause am Highway.


Vielleicht liegt es an der Mango, oder an unserem miesen Zeitgefühl, wir sind jedenfalls spät dran. Zumindest zu spät um noch nach Townsville hinein zu fahren und das Reef HQ zu besuchen. Das war nämlich eigentlich unser Plan. Da uns aber schon auf der Rückfahrt vom Whitehaven Beach ein deutsches Paar vom Billabong Sanctuary vorschwärmten und es 17km südlich vor Townsville direkt am Highway liegt, planen wir spontan um und gehen Landtiere besichtigen.
Ein Sanctuary ist ein Reservat für Tiere. Im Billabong Sanctuary kurz vor Townsville finden sich allerlei Arten australischer Tiere. Kängurus und Schildkröten, Koalas und Krokodile, Dingos und Greifvögel. Wir lernen viel hier. Zum Beispiel, dass es einen Vogel gibt, der wie ein Hund bellt: Die "Barking Owl", zu deutsch "Kläffereule". Als ich das las, dachte ich: "typisch deutscher Name" ;)

Eulenschwalm ohne Tarnung

Richtig klasse ist der Eulenschwalm, der sich dank perfekter Tarnung so an einen Baum andrücken kann, dass man ihn nicht mehr sieht Wir mussten echt zweimal hinschauen und auch erst, als wir wussten, dass da einer sitzt, haben wir ihn gefunden.

Dann erfahren wir, dass Dingos als Schädlinge eingestuft werden. Denn sie werden gerne verantwortlich gemacht für das Reißen von Kühen. Dabei, so erklärt man uns, könnten reinrassige Dingos aufgrund ihres Jagdverhaltens keine Kuh reißen. Das Problem seien Mischlinge aus Dingo und Hund. Diese sind äußerlich nicht unterscheidbar von den richtigen Dingos, aber sie legen ein Rudeljagdverhalten an den Tag. So ist es in Australien verboten, Dingos oder Mischlinge als Haustier zu halten. Wer erwischt wird, kassiert eine hohe Strafe und das Tier wir getötet. Dabei sind Dingos als Jäger wichtig für das Gleichgewicht der Arten. Ohne Fressfeinde vermehren sich kleine Tiere viel zu sehr.

Da will wer fressen

Und wir erleben, wie ein Krokodil frisst und sich dafür aus dem Wasser emporstemmt. Die Kraft, die hinter diesem Hochstemmen und auch im Kiefer des Tieres steckt, ist erschreckend und erstaunlich zugleich. Jedes Mal, wenn der Kiefer zuklappt, knallt es laut. Hier wird nicht wie im Australia Zoo eine große Show abgezogen sondern nüchtern erklärt, wie man sich zu verhalten hat im Noden des Landes, das nunmal Krokodilgebiet ist und dass zum Beispiel Flussufe die gefährlichsten Stellen sind.

Wombatschnäuzchen

Ganz zum Schluss gönnen wir  uns den absoluten Touri-Traum: Drei Bilder mit Tieren. Das kann man eigentlich in jedem Sancutary und Zoo machen. Im Australia Zoo war es uns zu gestellt vor einer Leinwand. Hier zumindest war es draußen im Park unter einem Baum - und trotzdem gestellt. Aber des Mannes großer Traum war, einmal einen Wombat zu halten. Also haben wir Familienbilder machen lassen. Mit Wombat, Koala und Python. Die Kinder fanden es mindestens genau so aufregend wie mein Mann und nun suchen wir noch einen geeigneten Platz für diese schräge Urlaubserinnerung.

Noch im Eukalyptus und nicht auf dem Arm


Übernachten tun wir schließlich in Townsville auf dem Rowes Bay Beachfront Caravanpark, einem Campingplatz mit Flughafenbeschallung. Auch sonst ist die Stadt für uns wenig interessant. Wir gehen nur noch im Fish Inn essen, einem Lokal mit wunderschönem Blick aufs Meer und der Promenade "The Strand". Die Kinder sind k.o, den Mann plagt der Sonnenbrand an den Beinen ganz arg und wir fallen anschließend ins Bett und halten uns auch am nächsten Tag in Townsville nicht lange auf. Denn es ist doch nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Kuranda. Dort, 30km nordwestlich von Cairns wollen wir hin. Dies bedeutet aber nochmal 380km fahren und das möglichst mit wenig Pause, es soll ja nicht dunkel sein, wenn wir oben im Regenwald ankommen.

So machen wir nur kurz in Cardwell halt, einem kleinen Ort, der vor allem durch nicht badetaugliche Strände (Krokodile!), einen langen Steg und dem abgefahrenen kleinen Ob la di Shop voller Hippie Zeug besticht.


Weiter geht der Weg gen Norden, bald ist das Ziel erreicht, da kommen wir nahe Mount Bartle Frere (aboriginal: Chooreechillum), dem höchsten Berg Queenslands tatsächlich noch an Buschfeuern vorbei. Teilweise bewusst gelegt (Brandschneise) und teilweise scheinbar durch die Dürre plus Unachtsamkeit entstanden qualmt und räuchert es in unmittelbarer Straßennähe.


Hier brennt es


Nach einigen Stunden Fahrt und dem von mir für die ganze Familie lauthalt geschmetterten "Mein Vati hat drei grunzende Schweine ..." aus "Kein Pardon" erreichen wir endlich unseren Wendepunkt. Unser nördlichstes Ziel dieser langen Reise: Kuranda

Da unten rechts liegt Cairns

Was dieser Ort zu bieten hat und warum wir lieber hier als in Cairns bleiben und vor allem, was wir noch auf dem Rückweg erleben, das alles erzähle ich euch im letzten Teil unserer Reise. 

Herzlich,
Janine

Verlinkt: Montagsfreuden