Hallo liebe Bloggergemeinde und liebe LeserInnen. Heute ist "Fashion Revolution Day". Was ist das?  Details findet ihr unter: fa...

Heute ist: Fashion Revolution Day

07:37:00 Janine 0 Comments

Hallo liebe Bloggergemeinde und liebe LeserInnen.

Heute ist "Fashion Revolution Day". Was ist das?  Details findet ihr unter: fashionrevolution.org



Knapper Hintergrund:
Am 24.4.2013 starben über 1000 Menschen im Rana Plaza, Bangladesch. Die dort ansässigen Firmen stellten mit ihren vielen Arbeiterinnen Kleidung für große Firmen her.
Der Aufschrei war groß. Viele Firmen, die dort nähen ließen, wollten Konsequenzen ziehen.
All zu viel passiert ist seitdem nicht. Einige der dt. Firmen, die dort nähen ließen, haben bis heute noch nichts an Entschädigungen gezahlt.

Heute, am 24.4.2015 fragen wir am "Fashion Revolution Day": Woher kommt eigentlich meine Kleidung? Wer macht sie eigentlich?


Jetzt fragen sich sicher einige der hier reinschauenden Nähbegabten: Ja gut, ich näh ja schon sehr viel /alles selbst. Das ist prima. Ich auch. Ich nähe auch echt fast alles selbst.
Und die Selbernäh-Gemeinde im Netzt wächst und wächst.
Also alles dufte.

Naja.

Ich fass mich an meine eigene Nase und sage: Wo ich früher dachte: "Hey, das ist mir zu teuer." und eher billigere Kleidung gekauft habe, denke ich bei Stoffen heute auch ab und an "Woa so viel Geld für Stoff!" Und wenn ich den Facebook-Kommentaren zu div. GOTS-Stoffen folge, dann sagen auch viele: Der ist mir zu teuer!

Auch beim Weiterverkauf: So viel Geld für ein Shirt? Das bekomme ich in "TextilkettedeinerWahl" aber viel günstiger.

Ja. Stimmt.

Billiger ist nur nicht immer besser. (Teurer übrigens auch nicht - oft zahlt man ja für den Namen und nicht den Lohn des Arbeiters)
Aber um den Fashion Revolution Day noch zu erweitern, blogge ich heute dazu.

Denn auf dem Selbstmach-Sektor wäre ein Umdenken genau so wichtig. Sonst wird das Problem nur umgeleitet. Schließlich muss irgendwer unsere Baumwolle ernten, weben, färben. Unter welchen Bedingungen wird mein Stoff gefertigt? Ist mein Jeansstoff nicht letztendlich genau so schrecklich wie die fertige Jeans? Gefärbt wurde er ja ggf im gleichen Bottich von ungeschützten Heranwachsenden.

Und noch einen Schritt weiter überlegt: Wenn ich mir plötzlich alles selber nähen kann - Nähe ich mir dann ggf zu viel? Also statt extrem-shoppen jetzt extrem-nähen?
Ich lese jedenfalls eine Menge Kommentare, die so ähnlich lauten wie "Mein Schrank ist voller schöner Stoffe" und "Ich muss den haben, ich werde noch arm!"

Da nehm ich mich übrigens nicht aus.
Ich bekenne mich dazu, dass ich aus diversen Gründen a) nicht alles zertifiziert kaufe(n kann) und dass ich auch zu viel nähe.
Ersteres weist mich größentechnisch in div. Schranken. Ich bekomme einfach nur in Überlängengeschäften meine Kleidung und die haben das mit der Biobaumwolle noch mal gar nicht mitbekommen :-( (Was sie aber nicht daran hindert, preislich auf dem GOTS-Kleidungs Level mitzuspielen *ächz*)
Und das zu viel nähen? Naja, Kindheitstrauma? Ich hatte dank Überlänge nie so viel und auch nie so schickes Zeug. Nachholbedarf? Möglich.
Eine Erklärung, keine Entschuldigung.

Also: Müssten wir uns nicht an die eigene Nase fassen und zugeben, dass wir auch auf diesem Sektor zu viel konsumieren?
Immer mehr Stoffe, immer mehr Kleidung.
Da macht es quasi fast nix, ob selbstgenäht oder gekauft.

Gut, ich gebe zu: Im "selbstgenäht Fall" fallen zumindest die unterbezahlten Näherinnen weg. (Wobei ich mich manchmal frage, wieso sich hierzulande so viele Näherinnen auch für einen Stundenlohn hergeben, der mir die Fußnägel aufrollt...andere Geschichte)

Aber reicht das? Reicht es, zu sagen: Immerhin...?

Ich glaube, es ist ein Anfang. Der nächste Schritt wäre: Nicht nach dem größten Stoffschnäppchen jagen, sondern qualitative Stoffe zu kaufen. Dafür dann eben weniger. Wir sind ja inzwischen schon in der Lage, wundervolle Desingerstoffe mit Öko-Label zu bekommen.

Stoffe: Lillestoff

Noch ein Schritt weiter: Schmeißen wir doch das ganze billige Zubehörkram raus! (Nein! Erst aufbrauchen, dann bewusst neu kaufen *lach*)
Plastik-Reißverschlüsse - Wieso nicht Metall?
Knöpfe - muss es ebenfalls Plastik sein?
Garn - es gibt inzwischen recyceltes Garn zu kaufen - wie genial ist das denn (wenn auch noch ausbaufähig!) 

Hach, ich glaub, da geht noch was!
Der nächste Trend im Nähgeschäft (oder für Privat) ist hoffentlich nicht "mehr, mehr, möglichst günstig" sondern "besser und mit Bedacht".

Und weil ich jetzt so viel geredet habe und manche das Thema vielleicht in der Theorie gut finden, in der Praxis aber nicht weiter kommen - hier noch ein paar Links und Hinweise:

Tolle GOTS-Stoffe/Zubehör findet ihr hier:
Lillestoff - GOTS Zertifiziert, v.a für Kinder, aber immer mehr auch für Erwachsene
Lebenskleidung - GOTS Zertifiziert, Sammelbestellungen!!
Siebenblau - GOTS Zertifiziert, schlichter gehaltene Basic-Stoffe
Gütermann recycling Garn - Garn aus 100% PET-Flaschen

Auch andere Anbieter haben immer wieder Bio-Stoffe. Ob nun Textiles Vertrauen oder GOTS. Viele Designerinnen sind inzwischen schon "auf den Zug aufgesprungen", das ist so toll! Schaut einfach mal genauer auf die Zusammensetzung und die Angaben bei den Stoffen.

Infos zu Labeln:
Modeaffaire - kleiner Ratgeber zu einigen Öko-Labeln

Blogparty - Spaß kann und muss man ja auch (oder gerade wegen) Öko-Kleidung haben.
Ich näh Bio - Blogparty, die ermuntert, eben öfter zu Biostoffen zu greifen :-)

Und für alle Nichtnäherinnen oder alle, die auch gerne mal fair und bio shoppen - auf der Webseite von Utopia finden sich einige richtig gute Onlineshops für saubere Kleidung.

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