Jaaa, dies wird "schon wieder" ein Uni-Beitrag und kein Nähbeitrag. Anlässlich des Sieben Sachen Sonntags (und weil es...

Ein Sonntag im Fernstudium

16:09:00 Janine 6 Comments


Jaaa, dies wird "schon wieder" ein Uni-Beitrag und kein Nähbeitrag. Anlässlich des Sieben Sachen Sonntags (und weil es gerade so perfekt passt) zeige ich euch einmal, wie ich beim Hausarbeitschreiben vorgehe.

Glaubt mir, ich würde auch gern wieder mehr nähen und Nähbedingtes zeigen.
Aber das Leben ist manchmal getrieben von Notwendigkeiten und da bleiben die geliebten Dinge ein bisschen zurück. Natürlich nie von Dauer und ich weiß jetzt schon, dass meine Maschinen im Oktober heiß laufen werden. *hahaha*

Aber ich habe mir mein Studium nun mal auch ausgesucht, es ist seit Jahren Teil meines (eh schon gut gefüllten) Lebens und fordert vor allem in Prüfungszeiten eben ein, erste Priorität zu sein. 

Übrigens wirklich erste - wann immer es geht, steht in der Prüfungszeit alles hinten an. Auch Familie und Sozialkontakte. Anders wäre für mich das Studium nicht zu schaffen und mein Mann und ich haben bereits zu Beginn bei der Einschreibung festgelegt, wann Uni vor Familie und Alltag Vorrang hat. 

Und es klappt. So wie seine Dienstreisen 100% Vorrang haben, haben das auch meine Prüfungszeiten und der jeweils andere übernimmt in der Zeit eben doppelt und dreifach Aufgaben.


Oha - das war jetzt wieder viel "gesabbel" - sorry. 
Ich finde es aber immer wichtig, mal zu berichten, wie so ein Fernstudium mit Familie funktionieren kann und vielleicht auch muss. Ohne Unterstützung läuft das nämlich nicht, oder nur auf Kosten der eigenen Kraft. 
Ich kenne leider genügend Studierende, die keine Unterstützung erfahren, sondern im Gegenteil: Sie bekommen harten Gegenwind, weil sie "jetzt noch" studieren, obwohl sie "doch schon so alt" sind oder "es doch gar nicht nötig" hätten bei ihrem Job. 

Leider ist das Prinzip des "Lebenslangen Lernens" und dass man Spaß haben kann am Studieren noch nicht überall durchgesickert. Das finde ich unglaublich traurig.


Zum Glück ist das bei mir anders und deshalb komme ich schnell wieder zurück zu meinem Thema. 

Nämlich die Frage, wie man so eine Prüfung vorbereiten kann.  Es gibt ja die unterschiedlichsten Methoden und in erster Linie sind sie von zwei Faktoren abhängig: 1) Was für eine Methode bevorzugt man? und  2) Welche Prüfungsform muss man ablegen? 

Mindmaps, Wandbilder (ja echt, manchmal füllen Abläufe oder Notizen Wände!), digitale oder manuelle Notizen, Literaturverwaltungsprogramme... alles geht. Für meine anstehende Hausarbeit (und die ganzen vorangegangenen) habe ich aber eine Methode für mich entdeckt, die wahrscheinlich vom Aussterben bedroht sein dürfte: 

Das Anlegen eines Notizbuches für gelesene Literatur.

Das bedeutet in der Praxis: bei jedem Buch, dass ich lese, mache ich mir unter dem Titel und mit Seitenzahl versehen Notizen oder schreibe Zitate auf. Ist das Buch durchgearbeitet, folgt das nächste.


Vermutlich schlagen viele jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Denn natürlich geht das auch "einfacher" - mit Literaturverwaltungsprogrammen: Da hat man gleich alles für Literaturverzeichnis, Zitate, Schlagwörter beisammen und bei richtiger Anwendung auch gleich die korrekte Zuordnung zu den jeweils passenden Gliederungspunkten.

So weit, so nett. Aber - ja, aber - ich mag das nicht. Nicht, weil ich es nicht kann. Aber alles, was ich händisch aufschreibe bleibt in meinem Kopf. Alles was in in den Rechner tippe nicht. Und auch wenn es anstrengender ist und zeitaufwändiger - mit der manuellen Methode habe ich 

alles in einem Buch
eine visuelle Vorstellung, wo was steht
einen Großteil schon im Gehirn
mache gedankliche Querverweise


Wie gehts dann aber weiter?
Die Bücher sind durchgelesen, alle Notizen gemacht, die Hand schmerzt, das Gehirn raucht. 
Zeit also, alles zu sortieren.
Leider übernimmt ja kein Computer die Zuordnung nach Schlagworten oder Gliederungspunkten. Das muss ich dann schon schön artig selbst machen. *örks* Und ja, dass ist etwas, was mich tatsächlich nervt. Aber erstmal angefangen, geht es eigentlich immer recht zügig voran. (Vorher klage und jammere ich traditionell übrigens immer meinem Mann die Ohren voll)

*** Viel Zucker und Kaffee sind in dieser Phase übrigens elementar wichtig. ***


 

Ok, zurück zur Methode. 
Den Anfang macht die Gliederung
Wenn die aktualisiert wurde (beim Anmelden der Arbeit hat man ja in der Regel nur eine Vorläufige - weil man im Laufe des Lesens ja erschlaut *gacker*) . 

Also schnell an den Rechner,  Gliederung überfliegen, Änderungen vornehmen und dann ausdrucken. Alle Hauptpunkte (ausser Einleitung und Schluss vielleicht) mit farblich verschiedenen Post-its versehen und anhand dieser Auswahl im Notizbuch alles überfliegen und einteilen.


Alles - jupp. In diesem Fall >250 Seiten!
Aber das geht flott. Meist steht in Büchern ja alles recht gut gebündelt. Selten hüpft es thematisch wild durcheinander. Daher geht es. 
Macht halt keinen Spaß. Allerdings findet man dann doch den ein oder anderen (An)Satz der den Weg ins Langzeitgedächtnis doch noch nicht gefunden hat. Ha!


Und so sieht es dann aus. Schön bunt

Ein Buch voller Wissen, sortiert nach Gliederungspunkten und bereit zu einer Hausarbeit ausformuliert zu werden. Ich finde diesen Moment immer am befriedigsten. Alles sortiert gepaart mit dem Gefühl, loslegen zu können in die letzte Phase der Hausarbeit - das Schreiben. 

Das geht mit meiner Methode übrigens schnell, ich muss nämlich nicht mehr in allen Büchern suchen "wo noch mal was stand" - ist ja thematisch sortiert in meinem Büchlein.



Weil ich dann meist erstmal keine Lust mehr habe - es ist eben doch kein Spaßgeschäft - mache ich vorm richtigen Loslegen meist noch so Sachen wie "Seitenlayout" nach Univorgabe und Schreibtisch aufräumen.  Und genau da bin ich gerade.

Ab morgen wird geschrieben. Ich habe noch neun Tage und werde das Kind schaukeln. Hoffentlich auch gut. Aber zumindest werde ich die Abgabe schaffen - und das macht mich glücklich. Denn zwischendrin sah es schon arg eng aus. Gut, dass ich kurz vor Schluss immer funktioniere.


Und jetzt? Jetzt freue ich mich einfach über so viel Gutes.

Über das Gefühl, es zur letzten Etappe geschafft zu haben. Dran geblieben zu sein, obwohl es dieses Mal wirklich zäh war. 
Über meine Familie, die zu 100% hinter mir steht und mir den Rücken frei hält - egal ob mein Mann, der alles wuppt, was ich sonst machen würde. Oder meine Kinder, die ruhig sind und wissen, dass ich lerne. Oder meine Große, die mir mehrfach das "Babysitten" ihrer Geschwister angeboten hat in den Schulferien, damit ich lernen kann. 
Über meine Freunde, die wissen, dass ich manchmal nicht ansprechbar bin. 
Über andere Eltern, die mir Entlastung anbieten für mein Kindergartenkind. 
Über alle Menschen, die mich bestärken in dem was ich tue und mich nicht runterziehen. 
Über mich, dass ich am Ende doch immer irgendwie die Kurve bekomme und es schaffe. Meine Stärken und meine Fähigkeit, mich da durch zu beißen und auch gegen den Schweinehund an die Bücher zu gehen, statt "was schönes" zu machen. 

Das alles macht mich froh und dankbar und gibt mir ein gutes Gefühl.


So. *uff* Noch jemand da? Oder habe ich alle vergrault? 
Falls ihr noch hier seid:

Jetzt wisst ihr, wie ich vorgehe UND was ich heute den ganzen Tag gemacht habe. Ich denke, dass ist doch etwas interessanter, als "nur" sieben Bilder von Post its zu zeigen. *hehe*

Das tolle an Methoden ist für mich übrigens, dass es nicht EINE Wahre gibt, sondern viele gute Wege zum Ziel zu kommen. Die Kunst ist nur, die passende für sich zu finden. 
Natürlich auch an die Prüfungsform angepasst. Bei meiner mündlichen Prüfung hatte ich monatelang eine Wand mit Daten tapeziert. Wirklich. Mindestens drei Meter lang, die volle Höhe bis unter die Decke. Um zeitgleich verlaufende historische Abläufe zu visualisieren. 

Und jetzt alle historisch Interessierten: "Oooh zeitgleiche Abläufe in verscheidenen Weltteilen!" Alle anderen so: "Gähn Geschichte find ich langweilig." *chrchr*



 Ich wünsche euch einen abwechslungsreicheren Sonntag als ich ihn hatte und auch euch ein lebenslanges Lernen.
 Man ist nie zu alt dafür und egal was es ist, etwas neues Lernen ist großartig.
Lasst euch nichts gegenteiliges Einreden und sagt auch euren Kindern, dass lernen, neue Wissenswelten entdecken, komplizierte Dinge verstehen lernen, Wissen meistern - das all das toll und wundervoll ist. 

Wissen erlangen dürfen ist ein großes Glück und kein notwendiges Übel für maximal 12 Schuljahre.




Kommentare :

  1. Oh wie schön! Ich habe auch immer handschriftliche Notizen gemacht. Aber ehrlich gesagt war der Rest dann nicht so strukturiert mit bunten Klebezettelchen. Aber die Variante gefällt mir gut!
    Ich habe zwar Anfang des Jahres mein Studium abgeschlossen. Aber wer weiß, ob ich nicht eines Tages auch noch ein weiteres anhänge. Wie du sagst: lebenslanges Lernen. Und irgendwie juckt es mich ja schon in den Fingern. Ich merke nämlich jetzt schon, dass ich es vermisse...

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Liebe Sabrina,

      stimmt, das weiß man nie. Wobei ich jetzt gerne Kopfweh und Lernen gegen stupides Fernsehen eintauschen wollen würde. *lach*

      Liebe Grüße
      Janine

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  2. Das mit dem handschriftlichen kenn ich....aber das mit den Klebis ist schon krass :-) Ich drück dir die Daumen
    Liebe Grüsse
    Anja

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    1. Danke schön, Anja. Daumen nehme ich gerne.

      Alles liebe
      Janine

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  3. Was genau studierst du und an welcher Uni - bin auf der Suche nach einem Literatur-Fernstudium mit keiner Anwesenheitspflicht (weil das organisatorisch nicht geht). Viel Erfolg für dich!

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    1. Danke.
      Ich studiere an der Fernuni in Hagen. Dort muss man ab und an auch anwesend sein (mündliche Prüfung zB, oder die obligatorischen Präsenzseminare), aber es ist recht überschaubar.
      Rein Literatur findet man dort aber nicht (ausser du studierst ohne Abschluss).

      Viel Erfolg beim suchen eines passenden Studienplatzes.
      Janine

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