Novembertag Nebel hängt wie Rauch ums Haus, Drängt die Welt nach innen; Ohne Not geht niemand aus; Alles fällt in Sinnen. Leis...

Die Welt ist nebelgrau und wunderschön

09:00:00 Janine 9 Comments


Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
Drängt die Welt nach innen;
Ohne Not geht niemand aus;
Alles fällt in Sinnen.


Leiser wird die Hand, der Mund,
Stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
Träumen Mensch und Erde.


 (Christian Morgenstern)


Wie liebe ich diese Jahreszeit, in der regelmäßig alles um mich verschwindet, hinter einer Wand, einem weißgrauen Schleier. Manchmal wie von einer anderen Welt mit Sonne durchleuchtet, wo es ihr gelingt, den Vorhang zu durchbrechen.

Dann wird alles so heimelig. So still. Die Welt verändert sich im Nebel. Sie ist weniger grell, weniger schnell, weniger da. Das ist eine so schöne Zeit. Diese Nebelmorgende. Denn wir wissen: Es wird vermutlich aufziehen, der Tiefnebel verzieht sich und vielleicht kommt die Sonne durch.


Wenn man Zeit hat, dabei zuzusehen, wie aus einer "Suppe" eine Welt wird, ist das ein schöner Anblick. Wie als wache die Umwelt erst langsam auf. Und wo kann man dies gemütlicher tun, als am Fenster mit Kaffee oder Tee?

Und auch wenn ich keinen Traumausblick auf Wald und Wiesen habe, sondern nur in Nachbars Garten - ich mag es. Ein wenig "in die Ferne schweifen" geht auch im Wohngebiet und zumindest auf dem Weg in den Kindergarten bekomme ich regelmäßig eine ordentliche Portion Nebel und (fehlende) Weitsicht ab.


Es ist jetzt einfach diese Zeit, in der der Sommer verschwindet und all seine Fülle mit sich nimmt. In der sich die Erde auf eine Ruhepause vorbereitet, sich zur Ruhe begibt. Bald folgt dem Nebel der erste Frost und verzaubert alles noch einmal ganz anders. Dies ist auch die Zeit, in der sich das Leben nach innen zurück zieht. Der Garten wird winterfest gemacht, alles hineingeräumt. Man zündet wieder Kerzen an, trinkt mehr Tee, trägt Wollsocken und die ersten "Was macht ihr Weihnachten/Silvester" Anfragen tauchen auf.

Das Jahr geht einfach auf sein Ende zu. Ganz langsam noch und mit Ruhe. Es ist nur eine Ahnung, keine Jahresende-Hetze, wie wir sie leider all zu oft im Dezember erleben. Nein. Zwischen Oktober und November wird es ersteinmal ruhig.

Und für uns Näherinnen heißt es in dieser Zeit viel mehr als im Sommer: Ab ins Nähzimmer. Denn endlich (man traut es sich ja nicht laut sagen) kann man sich im Keller/unterm Dach... wo auch immer der Nähplatz ist... verkriechen ohne an das tolle Wetter zu denken. Sich einmuckeln hinter den Maschinen und zwischen all den Stoffen.


So geht es jedenfalls mir. Im Herbst haben meine Maschinen Hochsaison. Da entstehen Jacken, Mäntel, Kleider für kalte Tage oder Pullis. Wie mein neuer Strickpulli in silbrigem Nebelgrau.
Verwendet habe ich dafür den enger geschnittenen Calais Schnitt von der Schnittquelle. Ich habe den Kapuzenpulli sonst immer aus Sweat genäht, dachte mir aber: Versuch macht kluch, und habe ihn für den Strickpulli genommen.

Leider war der Ausschnitt zu groß, was sicher an der Kapuzenvariante liegt. Und ausserdem verzog sich der Stoff unter der Ovi und kräuselte sich, so dass offene Säume leider überhaupt nicht in Frage kamen. Also alles fein säuberlich gesäumt. Mit dem zu weiten Ausschnitt habe ich mehrfach gekämpft. Und kein Trick hat geklappt. Also wählte ich eine unkonventionelle Art und habe eine Falte mit Knöpfen eingenäht. Nun steht nichts mehr ab und der Pulli ist wie der Herbstnebel - grau und leicht, aber dahinter kommt die Farbe der Welt wieder zurück.


Vielleicht könnt ihr den Nebel und den langsameren Start des Tages genießen. Ab und an. Nicht mit dem Auto - da wissen wir alle, dass das kein Genuss ist. Aber dann, wenn ihr Zeit habt. Der Welt beim Aufwachen zuschauen und ersteinmal einen Tee/Kaffee kochen.

Verlinkt zu RUMS


Kommentare :

  1. wunderschön geschrieben. kurz hast du mich erschreckt, und ich dachte: was schon november?
    aber das shirt ist wirklich schön. vor allem das detail hinten. ja manchmal wird aus einem missgeschick der schönste hingucker. so ist es manchmal unser leben!
    drück dich und wünsch dir einen schönen tag,
    andrea

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    1. Danke liebe Andrea.
      Und sorry. Aber es gibt kein Oktobernebel Gedicht :D :D

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  2. Liebe Janine,
    hach wenn man deinen Post so liest, kommt man richtig runter. Sehr schön. Dein Pulli sooooo schön, die Idee hinten einfach nur genial. Hut ab.
    Liebe Grüße,
    Petra

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    1. Schönes Kompliment. Danke :)
      Danke für das Feedback zum Pulli. Ich freu mich, dass ich es nicht allein schick finde.

      Janine

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  3. Ach, schön geschrieben!!!und der pulli ist echt klasse geworden!!LG tanja

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    1. Danke dir Tanja,
      ich freu mich über deine Rückmeldung. :)

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  4. Ach, schön geschrieben!!!und der pulli ist echt klasse geworden!!LG tanja

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  5. Zum Glück war der Ausschnitt zu weit, sonst hätte er nicht dieses geniale Detail bekommen!

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    1. Hahahaha, ja so kann man das auch sehen. Danke dir.

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