Nun beginne ich noch mal neu. Eben noch stand hier eine Menge Text. Über den Advent, über den Sinn und Unsinn der stressigsten Zeit des Jah...

Die Liebe verändert

09:53:00 Janine 1 Comments

Nun beginne ich noch mal neu. Eben noch stand hier eine Menge Text. Über den Advent, über den Sinn und Unsinn der stressigsten Zeit des Jahres. Über die wahre Bedeutung und über die Frage, wieso wir uns das antun.


Das alles habe ich gelöscht. Weil es mir eigentlich darum gar nicht geht. Doch, vielleicht auch ein bisschen. Aber ich möchte mich darin nicht verlieren. Denn eigentlich geht es mir um etwas ganz anderes in meinem Herzen: Und meinen Mut, den Weg zu verlassen.

Jedes Jahr vor dem ersten Advent bekomme ich Post. Meine längste Freundin schickt mir jedes Jahr einen Adventskalender. Und zwar den "Andere Zeiten Adventskalender". Dieser Kalender begleitet mich mit seinen Bildern und seinen Texten durch die (Vor-)Weihnachtszeit und versucht mich abzuholen, mitzunehmen, zu bewegen. Das klappt nicht immer, zu viel Trubel, zu viel Input. Keine Zeit (und auch oft keinen Mut) zum Nachdenken über das eben gelesene. 

Aber manchmal, da erwischt er mich. Genau da, wo ich bin. Genau so wie ich bin. Und er zeigt mir etwas, was ich vielleicht vergessen habe. Oder verdrängt. Oder was einfach so wahr ist, dass es mich bestärkt, weiter zu tun, was ich tu.

Heute war so ein Moment. Heute enthielt der Kalender einen Text von Jonathan Franzen. Dieser handelt von der Entwicklung einer Leidenschaft für Vögel. Aber eigentlich geht es gar nicht so sehr um die Vögel, sondern um das, was durch diese Liebe und Leidenschaft mit dem Autor passiert.



"Und wer weiß, was dann mit einem geschieht?"

Ich weiß es. Es verändert dich. Es macht unsicher, weil du plötzlich für etwas oder jemanden eine Liebe empfindest, die dich nötigt, zu handeln. Dich zu kümmern. Im englischen klingt es besser: "to care".
Dieses "raus gehen, statt drinnen bleiben" habe ich 2015 begonnen und es war und ist für mich ein großer Schritt.

Ich habe keine Leidenschaft für Vögel, wie der Autor. Aber ich habe meinen Weg verlassen und bin raus gegangen. Zu Menschen.
Das klingt sehr banal, wenn du ein sozialer Typ bist, jemand der gerne oft und viel mit Menschen zusammen ist. Und wenn alles einfach läuft, ihr den gleichen Nenner habt.
Schwierig wird es, wenn ihr völlig unterschiedlich seid. Wenn es darum geht, die Augen und das Herz zu öffnen für Nöte, Sorgen und Probleme. Und dabei selber einfach oft nichts verändern kannst.
Für mich ist das eines der schwierigsten Dinge überhaupt. Nicht, weil ich Menschen nicht mag. Ich mag Menschen. *lach*
Aber mit Menschen zusammen zu sein, die nicht sehr eng mit mir verbunden sind, DAS ist meine Schrierigkeit. Denn es bedeutet, andere Meinungen, andere Vorstellungen, andere Kulturen, andere Werte auszuhalten; bedeutet Konflikte zu erleben, Frust, manchmal Wut. Es bedeutet, an meine Grenzen zu kommen.

Es bedeutet aber auch, den eigenen Horizont zu erweitern. Mutig zu sein. Freude zu erleben, ja Freunde zu gewinnen -  und viel zu lachen. Es verändert dich, wenn du hinaus gehst und es dich kümmert, dich angeht. Dann passiert das, was Franzen ebenfalls in seinem Text schreibt:



In dem Moment, in dem du eine Beziehung aufbaust - egal welcher Art - kannst du nicht anders, als dich zu kümmern. Dann stellst du fest: "Es kümmert mich - I do care." Es kann mir nicht mehr gleichgültig sein, es gibt kein zurück mehr. Mit allen Rückschlägen, aber vor allem mit all dem Gewinn verändert sich mein Leben. Aus Liebe heraus. Denn Liebe - in all ihren Formen - ist unsere treibende Kraft, unser Anker in der stürmischen See der Hoffnungslosigkeit, der Angst und der Verzweiflung.

Zu wissen, egal wie schwierig es manchmal für mich ist, dieses bekümmert sein auszuhalten, dass der Weg der richtige, der einzige ist und Konsequenzen mit sich bringt - das hat mir dieser Text heute noch einmal vor Augen geführt. Wenn wir unsere Herzen öffnen, dann bekümmert uns das, was nicht richtig ist. Und dann kommen wir an den Punkt, wo wir Veränderung schaffen wollen, weil es uns kümmert. 




1 Kommentar :

  1. Wie wahr, und ich werde immer für verrückt gehalten, weil ich was verbessern will. Danke dir für diesen Post.
    Liebe Grüße,
    Petra

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