Mein Teenagermädchen entwickelt einen spannenden Geschmack und interessiert sich außerdem für ziemlich abgefahrene Sachen. Zum Beispiel ...

Angelina Durless (Madam Red) - Das erste Mal Cosplay. Oder wie gut, dass Mama nähen kann

07:57:00 Janine 16 Comments


Mein Teenagermädchen entwickelt einen spannenden Geschmack und interessiert sich außerdem für ziemlich abgefahrene Sachen. Zum Beispiel japanische Comics, Cosplay und japanischen Baby Metal. Da lernt man als Eltern noch dazu. Aber zumindest "Kostüme" sind mir nicht fremd, bin ich selbst doch mal eine Weile am Rand der Gothic Szene gewandelt. 

Nun wollte sie schon 2016 auf die ANIMUC gehen, konnte aber nicht, weil wir zu der Zeit auf Kur waren. Logisch, dass der 2017er Termin daher sofort geblockt wurde und sie fleißig gespart hat, um sich entsprechend zu kostümieren.

Eigentlich wollte sie sich ein mittelteures Kostüm aus dem Netz kaufen. Das Geld war auch schon überwiesen und wir warteten auf die für März angekündigte Ankunft. Leider wurde dann ohne Angabe von Gründen das Geld zurück gebucht und die Bestellung storniert. Was für ein Schock. Da stand sie da, ohne Kostüm.
Ihr wisst sicher, was dann kam. Schließlich kann man bei solchem Leid nicht zuschauen und in einem schwachen Moment mütterlicher Liebe versprach ich, das Kostüm zu nähen. Ist jetzt nicht so mein Steckenpferd, aber was tut mutter nicht alles ... 


Also suchten wir im Netz nach einem Schnitt, der dem Kostüm am nächsten kam. Eine gezeichnete Kostümvorlage fand sich zum Glück auch im Netz. Fündig geworden sind wir dann mit dem Butterick Schnitt B6305.
Hier seht ihr die eingezeichneten Änderungen, die ich vornehmen musste. Front und Rückenpartie mussten etwas verändert werden, das Läppchen am Pöppes kam weg, dafür brauchte es eine Schleife. Auch die Rüschenpartie am Rock musste etwas verändert werden, und ein Kragen musste her. Alles in Allem aber kein so großes Problem. Ärmelrüschen und Schaltuch waren auch recht schnell genäht und weil das Kostüm maximal zwei mal getragen werden wird (ausser Tochterkind wächst oh Wunder nicht mehr), habe ich auch auf Futter verzichtet. 


Fehlen durfte am Schluss natürlich auch nicht die roten Haare. Aus Kostengründen (sie zahlte alles selbst, sämtliches Material!) entschied sich meine Tochter für die günstige Faschingsperücke von Buttinette. Diese habe ich vorsichtig unter Schnittbogenpapier gebügelt und dann zugeschnitten/frisiert. Nicht 100% super, aber für ein erstes Mal gut genug. Sogar Lippenstift hat sie aufgetragen. Etwas, was sie gar nicht mag. 

Ich zeige euch jetzt ein paar Detailbilder. Für den Fotoshoot waren für früh draussen. Denn sie und ihre Freundin sind schon um 7:30 gestartet. Dass ich fürs Anziehen und Perücke aufsetzen extra aufgestanden bin am Sonntag ist nur einem Zustand zuzuschreiben: Mutterliebe
Im Gegenzug durfte ich Fotos machen, mit Gesicht. Etwas, was mein internetskeptisches Kind nicht oft erlaubt. Aber sie war so glücklich und dankbar, dass ich ihr Kostüm genäht hab, da habe ich den Freibrief für alle sozialen Medien bekommen. So glücklich war sie.


Hier kann man die Rüschenärmel gut sehen. Ich hatte überlegt, ob eine echte Bluse sinnvoll wäre, habe mich aber dagegen entschieden, da es doch eher warm ist auf solchen Veranstaltungen. Also habe ich die Rüschenärmel einfach nur unten in den Ärmelsaum genäht. Von Hand. *ächz* 


Sowohl in den Ärmeln als auch am Tuch habe ich den Abschluss mit einer Baumwollspitze eingefasst. Sieht doch gleich viel netter aus. Das Kleid macht eh eine sehr schmale und taillierte Figur. Verrückt, wie solche Kleider wirken. Toll ist auch, dass das Oberteil einfach nur mit Schrägband eingefasst wird. Man muss so nichts umlegen. Einfach Einfassen und fertig. 


Unten dann die beiden Rüschenreihen. Es hätten ruhig auch drei sein können oder größer, aber der Stoff war leer. 6 Meter rote Baumwolle - alles weg. Ohne jegliche Zuschneidefehler. Einfach nur reiner Verbrauch. Wahnsinn, was das Kostüm schluckt. Die Schuhe sind übrigens nicht stilecht. Aber wer mag schon mit 13 auf Absätzen rumturnen? Und die Ballerinas können so im Mai noch für die Konfirmation herhalten. Ist ja viel wert, öfter tragbare Schuhe zu finden. Besonders wenn man, wie Tochterkind, schon Schuhgröße 41/42 hat.


Hinten habe ich, wie schon gesagt, den Schnitt ebenfalls verändert. Statt langer Rücken brauchte es einen Einschnitt, damit die Schleife am Po Platz hat. Nachdem ich den Rock soweit fertig hatte und einen schönen Reißverschluss in die hintere Mitte genäht hatte, fiel mir auf, dass ja die Schleife auch noch dran muss und ich nun eine Lösung brauche, die es ermöglicht, den Rock zu öffnen und trotzdem eine Schleife in der Mitte zu haben. Was half: einen KamSnap an die Schleife zu befestigen und diese damit am Bund zu knöpfen. Passt, sitzt und hat Luft.


Auch vorne musste ich den Schnitt verändern. Statt gerader Abschluss musste eine Überlappung mit Spitzen her. Und doppelreihige Knöpfe. Dank der Näherfahrung, die ich inzwischen habe, ging das ganz gut.  Ich habe dafür das Schnittmuster vorab angepasst und neu abgepaust. 
Am lustigsten fand ich ja diese komische Schürze vorne. Was auch immer der Sinn ist, es ist schon sehr witzig. Aber es macht irgendwie auch was her. Der dreiteilige Stoff wird durch die Faltung, die dann in den seitlichen Nähten des Rocks vernäht wird, in Position gebracht. Ich meine, an Originalkleidern der Epoche war der Bogen regulierbar. 


So viel zu den Details. Alles in Allem habe ich mehrere Tage genäht, immer in Etappen, verteilt über zwei Wochen. Die Materialkosten lagen bei um die 50€, meine Arbeitszeit wurde in Schokolade und strahlendem Lächeln bezahlt. Die Tochter ist glücklich und ich beeindruckt von mir und meinem Kind, dass so spannende Hobbies hat. Es folgen noch ein paar  Fotos vom kompletten Ensemble. Obwohl es 7:00 Uhr morgens war an einem Sonntag (!) hatten wir sehr viel Spaß beim Shooting. Und das Teenagerkind war erstaunlich wach für die Uhrzeit.





Mein Fazit?
Ein Kostüm nhen ist kein Hexenwerk. Aber auch nichts, was ich jetzt regelmäßig machen möchte.
Es ist toll, sein Kind so glücklich zu sehen.
Es ist cool zu sehen, was man so alles kann, wenn man will.
Ich liebe dieses coole, verrückte Mädchen.

Geflashte Grüße

Janine


Verlinkt zu Creadienstag, Teenspoint und Handmade on Tuesday

Kommentare :

  1. Wow, wirklich toll geworden! Hut ab vor der Nähkünstlerin!!!

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  2. Das sieht toll aus, deine Tochter strahlt richtig.
    lg carlinda

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    1. Ja, sie ist anhaltend glücklich und plant inzwischen 2018 *lach*

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  3. Klasse geworden, sieht echt genial aus! Schade, dass man sowas wohl nie im Alltag zu sehen bekommt ;)

    Liebe Grüße!

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    1. Ne wohl nicht. Sie fand es sehr blöd zum laufen im Kleid. Ist halt ein Hosen-Kind :)

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  4. Toll! Toll! Toll! Ich bin begeistert von deinem Mädchen und von diesem Kostüm. Ich kenne eine menge Cosplayer und die meisten machen ihre Kostüme selbst. Es muss nicht immer alles perfekt sein, am Ende zählt der Spaß und die Freude. Vielleicht näht sie das nächste Kostüm ja selbst mit deiner Hilfe ;o)

    Liebe Grüße, Carmen

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    1. Ja, genau so kenne ich es auch. Teilweise ist es total irre, wie viel Zeit und Geld ein Kostüm verschlingt. Ich finde auch selber machen sehr sympatisch, denn die meisten Kostüme, die man kauft, sind dann doch Fernost-Import mit fragwürdigen Materialien und Herstellung.

      Dass sie ihr Kostüm das nächste Mal (unter Anleitung) selber macht, steht schon im Raum. Ich bin nur so eine grotten schlechte Lehrerin.

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  5. Ich bin wirklich beeindruckt. Chapeau, meine Liebe!
    Herzlichst Ulla

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  6. Nein, Kostümnähen ist kein Hexenwerk und meistens sehr viel spaßiger als normale Alltagskleidung ( mache das ja schon lange ). Zeige heute ja auch gewissermaßen so ein Teil, um in eine andere Rolle schlüpfen zu können...
    Das Kostüm ist wirklich interessant. Da bin ich gespannt, was in dieser Hinsicht noch auf mich zukommt.
    LG
    Astrid

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    1. Oha, da bin ich gespannt. Ich finde es eine spannende Sache, mag aber lieber Kleidung für den Alltag nähen. So für immer tragbar.

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  7. Du bist die beste Mutter der Welt!
    Bei meinen beiden Damen ist die Mangazeit schon wieder vorbei, ich musste nur für ein Karofaltenröckchen für die Dokumi ran.
    Ich hoffe, Deine Tochter hatte einen tollen Tag auf ihrer Convention.
    LG Susanne

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    1. Hahaha, na wenigstens einmal im Leben. Und ja, sie hatte den besten Tag seit keine Ahnung. Nachhaltig beeindruckt ist sie auch. Bin gespannt, wohin sich das noch entwickelt.

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