Jetzt bin ich schon beim letzten Teil unserer Reise durch Queensland, Australien angekommen. Die vielen Bilder, das Texte schreiben, das...

Zu fünft im Wohnmobil durch Queensland - Teil 4: Von Kuranda durchs Hochland wieder gen Süden

07:55:00 Janine 0 Comments


Jetzt bin ich schon beim letzten Teil unserer Reise durch Queensland, Australien angekommen. Die vielen Bilder, das Texte schreiben, das Route nachverfolgen hat ganz viele Erinnerungen hochgeholt und ich konnte nochmal alles neu bewerten und sortieren. Denn oft bleibt ja doch einiges auf der Strecke (im wahrsten Sinne des Wortes), wenn man so viele Eindrücke in so kurzer Zeit erlebt.

Hier könnt ihr alle vorangegangenen Teile nochmal nachlesen:
Zu fünft mit dem Wohnmobil durch Queensland
Teil 1: It all start's with Noosa
Teil 2: Von Tin Can Bay bis in die Capricon Caves
Teil 3: Eungella Nationalpark, Airlie Beach und ab nach Kuranda



Kuranda



Wir sind inzwischen in Cairns, nein bei Cairns angekommen. Cairns selbst streifen wir nur auf unserem Weg. Denn uns zieht es nicht in die Stadt. Sie ist vor allem das Tor zum nördlichen Great Barrier Reef und diesen Punkt der Reise haben wir ja schon abgehakt. Ansonsten ist eine Stadt eine Stadt und vor allem für unsere Kinder wenig interessant. Also planen wir keinen Aufenthalt hier, sondern biegen links ab und fahren - mal wieder in Serpentinen - die Straße nach Kuranda hinauf. Da wir spät dran sind, kommen uns nur noch Autos entgegen, so gut wie niemand will mehr hinauf. Die Touristen sind schon abgereist, Zug und Seilbahn (ja, davon unten mehr) fahren nicht mehr, der Markt ist geschlossen.



Wir bauen unser Wohnmobil im Kuranda Rainforest Accomodation Park auf, dem Campingplatz direkt im Regenwald. Er liegt mitten im Wald, ein Stück außerhalb des Ortes. Der kürzeste Weg geht direkt an den Gleisen lang. Uns gruselt es, bis man uns am Folgetag sagt, auf diesem Streckenabschnitt fährt nur noch 1x im Jahr ein Zug. Dennoch sind wir froh, wenn wir nicht auf den Gleisen laufen müssen. Die Kinder freuen sich am Abend noch über den kleinen Pool auf dem Platz und kämpfen mit der Tatsache, dass wo Bäume sind auch Tiere auf dem Klo in den Ecken sitzen. Dabei waren es nur Minispinnen,  nicht anders als bei uns, keine davon giftig. Trotzdem. Die Kinder beklagen ihre aussichtslose Lage ausgiebig. Und nein, wir lassen sie nicht auf dem Wohnmobilklo pieseln, denn wir wollen es gar nicht nutzen oder putzen.


Am nächsten Tag gehen wir dann in den Ort und beobachten fasziniert das Treiben. Seit Jahrzehnten gibt es hier im Regenwald diesen Hippie-Touri-Markt, der täglich um 9 Uhr seine Pforten öffnet und Touristenmassen anlockt. Wer nicht mit dem Auto hinauf fahren will, kann sich direkt von Cairns nach oben befördern lassen: Via Skyrail und Scenic Railway. Diese starten im Tal und bringen Besucher per Gondel oder Zug hinauf und wieder hinunter. Oben schlendern dann alle Nationaltitäten durch den Ort und kaufen Nippes und trinken Kaffee. Neben Markt und Fahrattraktion bietet Kuranda auch ein paar Attraktionen wie das Butterfly Sanctuary, Bird World, Koala Gardens, Riverboat Cruises oder die Candy Kitchen.


Letztere besuchen wir als erstes, schließlich finden nicht nur die Kinder es cool, zuzugucken, wie die Bonbons, die man kaufen (und kosten) kann, hergestellt werden. Natürlich kaufen wir auch ein paar Bonbons für den Eigenverzehr und als Geschenk.

Dann schlendern wir durch die Gassen und bestaunen das rege Hippie- und Aussteigerleben. Wir treffen einen Aborigini, der uns ein paar Abkürzungen zum Ort zeigt und ein wenig über sich erzählt. Trifft man im Süden Australiens kaum auf Aborigines, so haben sich rund um Cairns viele angesiedelt. Auch in Kuranda wohnen seit Generationen viele Familien und leben vom Ort und Tourismus. Sei es durch Arbeiten auf dem Bau oder bei typischen Touristenvorstellungen mit Tanz oder Didgeridoo spielen oder als Naturführer, der den erstaunten Touristen einiges über "Bush Tucker" (Essbares aus dem Busch) oder giftige Pflanzen beibringt.


Der Umgang der weißen Bevölkerung mit Aborigines ist, so merken wir immer wieder mal, geprägt durch eine Mischung aus ungutem Gefühl und Verdrängung. So wirkt es jedenfalls auf uns. Im Süden scheint es eher ein "was man nicht sieht, muss einen nicht bekümmern" zu sein, es gibt wenig Hinweise auf aborigines Leben und Geschichte. Dies versuchen viele Gruppen durch Eigeninitiative mit Kulturzentren zu ändern. Fragt man nach indigenem Leben an Orten, hört man oft, dass früher mal Aborigines hier gelebt haben, dann aber weiter zogen. Das Zutun der Siedler und die unsägliche australische Politik wird selten thematisiert. So ist dieses Land sehr weiß geprägt und Aborigines bekommen meist nur eine Touristenunterhalterrolle zugeteilt, um dem Besuch aus Übersee ein bisschen was zu zeigen.
Im Busch denke ich, ist das wieder anders. Und es gibt auch gute Touren, die es ermöglichen, die andere kulturelle Seite, die ältere Seite Australiens kennen zu lernen. Ich bin da etwas zwiegespalten, was das touristische Vermarkten einer Kultur angeht. Denn schnell wird dann aus Kultur Folklore. Und oft endet das Verständnis für andere Kulturen gerne mal dort, wo man als Tourist auf sein Recht besteht, Orte zu besichtigen, obwohl dies nicht erwünscht ist, wie zum Beispiel am Uluru.


Jetzt bin ich aber etwas abgeschwiffen in ein wichtiges Thema und muss versuchen die Kurve zu bekommen. In Kuranda lebt also eine bunte Mischung aus Aussteigern jeglicher Länder und eine große Zahl Ureinwohner. Und zumindest unsere Bekanntschaft fand sein Leben in dem Ort seiner Kindheit super und wünschte uns noch einen wundervollen Tag im Ort. (Er hatte übrigens rudimentäre Deutschkenntnisse, wie so mancher Australier - Deutsch ist als Fremdsprache nämlich tatsächlich in australischen Schulen wählbar.) 


Nach unserem Gepräch und einer guten Tasse Kaffe gehen wir noch schnell ins Butterfly Sanctuary, weil wir wenigstens etwas der vielen Attraktionen mitnehmen wollen, bevor wir unsere Rundreise mit Zug und Gondel beginnen. Ich mag ja Schmetterlinge sehr und wünschte mir, dass solche Orte wie das Sancturary doch mal zu Zeiten öffnen würden, wenn die Schmetterlinge noch träge sind - früh morgens also. Zur regulären Öffnungszeit sind die Falter schon so aktiv, dass scharfe Fotos quasi unmöglich sind. Aber das Auge sieht ja auch viel und das Herz macht die schönsten Bilder.

Von der Reise in den Regenwald per Zug und Gondel hatte ich ja weiter oben schon kurz erzählt. Eines vorweg: Man muss vorab buchen. Einfach so mitfahren geht nicht. Und eine günstige Nummer ist es auch nicht. Dafür aber wirklich klasse.


Wir fahren falsch herum mit. Will heißen: Von Kuranda runter und wieder rauf. Also nicht typisch für Tagesbesucher. Daher müssen wir den späten Zug und die letzte Gondel nehmen. Ins Tal geht es per Scenic Railway. Während der Fahrt halten wir immer mal wieder an um Fotos machen zu können. An den Barron Falls steigen wir aus und schauen auf sie hinab. Sie sind zu dieser Zeit nicht sehr imposant, zu wenig Regen. Wenn aber die Regenzeit beginnt, dann bildet sich ein beeindruckender Wasserfall.


Außerdem lernen wir auf der Fahrt alles, was es zum Schienenbau hoch in den Regenwald zu wissen gibt. Wie mühsam das Vorbereiten der Strecke war und das heutige tote Orte damals in 19. Jahrhundert bewohnt waren von Streckenarbeitern und ihren Familien. Später kamen dann die Hippies nach Kuranda und öffneten ihren Markt für Urlauber und Talbewohner. Nach 2 Stunden Fahrt durch den Regenwald kommen wir im Tal an und werden von netten Shuttelbusfahrern zur Seibahn gebracht. Denn beide Bahnhöfe liegen nicht beieinander. Zusammen mit einer überschaubaren Gruppe fahren wir mit den letzten Gondeln wieder hinauf.


Diese Fahrt über die Gipfel des Regenwaldes mit dem Skyrail ist wirklich ein Erlebnis. An zwei Stationen kann man aussteigen und viel über den Wald und seine Lebewesen erfahren. Wir bestaunen die Barron Falls von der anderen Seite der Schlucht aus nochmal, treffen auf einen Kasowari an der Toilette, genießen das Gleiten über den Wipfeln und staunen über die größe des Waldes.

Auch wenn Kuranda ein sehr touristisches Fleckchen Erde ist, so ist diese Gondelfahrt doch etwas, was mich neben unserer Walbeobachtung tief beeindruckt hat. Und beides, Wale und Wald, haben bei mir auch das traurige Gefühl hervorgerufen, dass wir Menschen all das einfach zerstören. Weil wir unachtam sind, bequem oder ignorant. Diese Traurigkeit ist immer Teil meiner Erinnerung an diese beiden Erlebnisse. Wie schön diese Welt ist und wie sehr wir daran Teil haben, sie zu plündern.



Atherton Tablelands



Hach schon wieder so schwer, die Stimmung. Das geht so nicht. Denn dafür ist es einfach viel zu schön hier oben in Kuranda, wo wir zwei Nächte bleiben. Am Abreisetag, dem ersten Tag Richtung Süden!, geht es nicht wieder die Serpentinen runter, sondern hinten rum durch das Hochland, die Atherton Tablelands.

Hier ist es plötzlich ganz anders. Sanfte Hügel, Straßen soweit das Auge reicht und ein ganz anderes Grün als eben noch im Regenwald. Hier gibt es Milchfarmen, sehenwerte Natur und Kaffe- und Teeplantagen. Ja, ihr lest richtig. Hier wird Kaffee und Tee angebaut. Keine Frage, dass wir uns das angucken wollen.



Daher ist unser geplantes erstes Ziel im Hochland die Skybury Coffe Plantation bei Mareeba. Leider ist sie geschlossen, wer konnte das ahnen? Etwas enttäuscht suchen wir nach einer Alternative und finden Coffee Works in Mareeba. Eine Mischung aus Rösterei, Museum, Souvenierladen, Schokoladenmanufaktur und Café. Crazy? Crazy!
Wir probieren uns durch die Schokolade und den Kaffee (klare Empfehlung für den Saltet Caramel Cake!) und decken uns mit lokalem Kaffee und Tee ein.


Danach wollen wir mehr Natur. Also machen wir einen Abstecher in den Mount Hypipamee Nationalpark um The Crater zu bestaunen. Dieser vermutlich durch vulkanische Explosion entstandene Krater ist gut 86m tief und liegt an einem schönen Rundweg vorbei an kleineren Wasserfällen durch schattigen Wald.


Auf unserer weiteren Reise durch die Tabellands kommen wir auch am Milla Milla Falls vorbei. Eigentlich ein Rundweg zu drei verschiedenen Wasserfällen bleiben wir gleich beim ersten hängen. Das Wetter zieht zu und immer wieder regnet es. Daher sind - Glück gehabt - nicht so viele Touristen am Wasserfall und kaum einer traut sich ins Wasser.
Kaum einer ausser meine Tochter. Die will unbedingt hinein. Also gehe ich mit. Und schwimme ein wenig vor idyllischer Kulisse. Das Wasser hat Bergseetemperatur und sicher ist es nichts für ein langes Bad. Warum sich allerdings die dann ankommende Reisegruppe Jugendlicher so dermaßen aufführen muss und vor Kälte quietscht (die Jungs), kann ich nur auf Imponiergehabe zurückführen. Schon spannend, solche Dynamiken zu sehen. Wer traut sich ins Wasser? Die Mädels stehen derweil am Rand und gucken. Es ist doch immer das gleiche :)


Jetzt beginnt es aber richtig zu regnen und es steigt Nebel ins Hochland. Das bedeutet für uns aufbrechen zu unserem Schlafplatz. Leider können wir so nicht auf dem Baumwipfelpfad Mamu Tropical Skywalk laufen, den man nahe Innisfail praktischerweise in eine Zyklonschneise eingebaut hat. Das Wetter wurde wirklich ungemütlich. Auf so einer Reise muss man halt flexibel bleiben. Also fahren wir direkt durch bis

Mission Beach



wo wir eine Nacht bleiben. Und so sehr die Strände rund um Mission Beach auch traumhaft schön sind, die Nacht auf dem  Dunk Island View Caravan Park war echt schrecklich. Denn leider - da konnte nun aber der Campingplatz nichts dafür - veranstaltete ein Lokal direkt nebenan eine Party bis in die Morgenstunden und den monotonen Bass konnte ich bis 2 Uhr Nachts hören. Nirgenwo auf unserer Reise habe ich so schlecht geschlafen wie hier. Als dann um 6 Uhr der Bass erneut losging bin ich lieber aufgestanden und an den Strand gegangen. 


Und der ist wirklich schön. Dank eines Kajak-Wettbewerbs nicht menschenleer sondern voll, bot er dennoch wunderschöne Aussicht und durch die Wolken und das Regenwetter im Hinterland war er auch weniger tropisch idyllisch sondern wilder und dynamischer.


Während sich also die hochmotivierten Ruderer ins Wasser schwingen, mache ich lieber einen Spaziergang und lasse die Tage revue passieren. Bei unserer Anfahrt sind wir noch einem Kassowari Vater mit Baby begegnet, die die Straße in aller Seelenruhe für sich beanspruchten und uns nötigten, sehr langsam hinter ihnen herzufahren.

Nach einem langsamen Start in den Tag, ich bin ja leider übermüdet, fahren wir weiter, immer Richtung Süden. Richtig spontan entscheiden wir uns nach 230 km für eine Mittagspause in Townsville um doch noch das Reef HQ zu sehen. Ein Riff direkt am Hafen, in dem man kleine und große Meeresbewohner beobachten kann. Es wirkt wie ein Sealife, ist aber wesentlich informativer und dreht sich um alles, was im heimischen Gewässer unterwegs ist. Außerdem bietet es sehr viele Informationen rund ums Great Barrier Reef und dessen Schutz.


Der Eintritt ist preislich ok (70 AUD für eine Familie mit drei Kindern) und man kann sehr gut eine längere Mittagspause dort einlegen. Denn wir haben einiges an Weg vor uns. Unser nächste Ziel ist nämlich mein Highlight der Reise:


Cape Hillsborough Nationalpark


Der Cape Hillsborough Nationalpark liegt auf etwa gleicher Höhe wie der Eungella Nationalpark, nur nicht im Hinterland sondern direkt an der Küste. Von Townsville sind es noch weitere 360 km, weshalb wir im kleinen Ort namens Ayr übernachten. Hier lernen wir, wo Backpacker schlafen wenn sie auf den Zuckerrohrfeldern der Region arbeiten: Zum Beispiel im Big 4 Silverlink Caravan Village. Dort gibt es Bungalows, die sich alle teilen und früh morgens werden alle per Autoshuttle eingesammelt und zur Arbeit gefahren. Wer weiß, ob eines unserer Kinder in vielen Jahren auch einmal dort lebt und arbeitet.

Nach einer unaufgergeten Nacht geht es dann in den Nationalpark. Ich gebe zu, ich wusste nicht, wie schön es dort ist, denn ich wusste nur eines: dort kann man Kängurus im Morgengrauen am Meer sehen. Und das wollte ich erleben. Dabei gibt es im Nationalpark noch viel mehr zu tun. Bei Ebbe geht das Wasser soweit weg, dass man zu einer Insel laufen kann. Es gibt Wanderwege durch die Mangrovenwälder und einen wunderschönen kleinen Strand direkt am Cape Hillsborough Nature Tourist Park.


Dieser ist wundervoll in einen kleinen Wald am Ende der Zubringerstraße eingelassen und bietet eine schöne Mischung aus rudimentärem Nationalparkcampen und genug Luxus für Toiletten und Swimmingpool. Wenn wir jemals wieder herkommen, dann bleiben wir länger als eine Nacht. Denn der Ort ist himmlisch ruhig und von vormittags bis spät nachmittags auch fast leer, das fast alle Camper nur wegen der morgendlichen Kängurusichtung kommen.


Früher mal ein Geheimtip, kommen heute bis zu 100 Menschen jeden Morgen an den Strand für das "Schauspiel". Wir hatten also mit gut 40 Personen Glück, als wir um 6 Uhr morgens zum Strand runter gingen. Was ist denn nun so besonders an diesen Kängurus? 

Vielleicht, weil sie einfach da sind und sich nicht um uns kümmern. Dass sie täglich zum trinken an den Strand runter kommen und wahrscheinlich vor allem, das die Kulisse so wunderschön ist. Neben toten Roadkill Kängurus haben wir nämlich vor allem solche gesehen, die im Zoo oder Sanctuary lebten. Selten hoppelte uns mal eines so über den Weg.



Sie also im Morgengrauen in dieser schönen Stimmung zu beobachten, fand ich einfach toll. Denn ich weiß, dass vor allem viele Australier von diesen Tieren gernervt sind. Und wenn sie in Horden die öffentlichen Parks bevölkern, kann ich das auch nachvollziehen. Hier in dieser Umgebung aber ist es anders. Hier passt es zusammen, die Tiere und die Natur.


Inzwischen wird zusammen mit der Regierung und dem Nationalpark einiges an Vorsichtsmaßnahmen errichtet. So kommt immer ein Parkranger mit an den Strand und baut kleine Hütchen auf, die die Tiere und Menschen trennen sollen. Zum Einen zum Schutz der Menschen, die so dumm sind und für Selfies einen kräftigen Tritt eines ausgewachsenen Kängurus riskieren. Zum Anderen aber - und das vor allem - zum Schutz der Tiere vor dummen Menschen, die unbedingt so ein Känguru füttern müssen. Die Kängurus bleiben übrigens auf ihrer Seite, weil dort im Sand ein paar Leckerlis liegen, die vor allem eines sind: Medizin. Gegen falsche Nahrung.



Derweil erzählt der Ranger viel über die Kängurus, wer trächtig ist, wie viele kommen und warum man sie eben bitte nicht füttern soll. Von Selfies in riskanter Nähe kann er dann doch nicht abhalten und ich wundere mich ein wenig, wie viele Menschen nicht zuhören können.
Nach Sonnenaufgang gibt es erstmal heiße Getränke am Wohnwagen und wir bauen langsam wieder alles ab. Etwas wehmütig, weil doch der Platz viel zu bieten hat. Aber wir haben jetzt zum Ende einen Zeitplan, wollen unbedingt noch nach 1770 und dort bleiben. Also müssen wir weiter nach Süden fahren, immer auf dem Highway entlang.

Wir müssen wieder an Mackay vorbei bis Rockhampton, eine der langweiligsten Strecken der ganzen Route. Selbst die Straßenschilder zeigen dies. Überall steht "Are we there yet, Mom?" und "It's a long way to Rocky!" und "Trivia Games keep you awake". Wir sind froh, als wir die fast 400km endlich überstanden haben und unser Wohnmobil im Yeppoon abstellen können.

Leider leider nicht dort, wo wir wollten. Tatsächlich ist es das einzige Mal, dass wir nicht kurzfristig auf unseren Wunsch-Capmingplatz können. So muss Plan B herhalten und statt direkt am Strand gibt es jetzt eine Nacht auf dem Big 4 Capricorn Palms HolidayVillage mit Wasserrutsche und Open Air Kino für die Kinder.


Also verbringen wir den Abend mit Schwimmen, ankommen und dann Kino! Alle schleppen ihre Campingstühle und Decken auf die Wiese, versorgen sich mit Snacks und dann schauen wir "Turbo". Auf Englisch. Aber wen stört das groß? Alle sind ganz begeistert von diesem Abend und so sind wir nur ein bisschen traurig, den Strandplatz verpasst zu haben. Glückliche Kinder sind eben auch ein Garant für einen guten Urlaub. Und so langsam macht sich bei uns auch der Hüttenkoller bemerkbar. Störte uns die Nähe und Enge im Wohnmobil anfangs gar nicht, so kommen wir langsam aber sicher an unsere nervlichen Grenzen. Aufeinanderhocken geht eben doch nur eine bedingte Zeit lang gut.

Deswegen freuen wir uns besonders auf den letzten Teil unserer Reise. Denn der führt uns in das Städtchen

Seventeen Seventy 



Und bitte genau so muss es auch ins Navi eingeben werden. "Town of 1770" oder "1770" kennt es nicht. Ich weiß nicht, ob es auf der Welt noch einen anderen Ort gibt, der nur aus einer Jahreszahl besteht, die Wichtigkeit des Jahres wird aber sicher dadurch unterstrichen. Denn 1770 landet Kapitän Cook mit seiner HMS Endeavour an diesem Teil Australiens.


Gelegen auf der Halbinsel Bustard Bay gibt es neben diesem beschaulichen Ort noch das Örtchen Agnes Water, in dem sich vor allem Surfer finden. Wir aber wollen nicht surfen, sondern ausruhen, Kraft tanken und

... Kajak fahren.
Das machen wir mit Janina von 1770 Liquid Adventures und erleben ein paar tolle Stunden auf dem Wasser. Zu dritt und zu zweit paddeln wir während der Ebbe rund um Seventeen Seventy herum, füttern Fische und machen ein Picknick auf einer Sandbank.


Janina stammt aus Deutschland, lebt aber seit Jahren schon mit ihrem Mann hier und macht einen wirklich großartigen Job. Vor allem die Kinder fanden es prima, auch auf Deutsch erklärt zu bekommen, was sie tun sollen, welche Fische und Vögel sie sehen und dazu noch zu lernen, wie man richtig paddelt. 


Am Folgetag machen wir uns auf den Weg zum Bustard Bay Lookout. Dazu nehmen wir den Round Hill Head Walk, welcher direkt am Campingplatz beginnt und gehen durch den Joseph Banks Conservation Park immer weiter um die Bucht herum. Wir kommen am Cook-Denkmal vorbei und gruseln uns ein wenig vor den großen Spinnennetzen im Wald. Die "kleinen" Spinnen stellen schon erstaunlich große Netze her und wir haben etwas Sorge, dass sie auch über den Pfad spinnen. Zum Glück ist dem nicht so und wir kommen Spinnenfrei oben an.


Wir genießen die Aussicht und machen uns dann auf den Weg zum Wave Lookout und dem Endpunkt der Bustard Bay. Alles in Allem sind wir gut über eine Stunde unterwegs. Aber es ist ein lohnender Weg. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand.


Und an beiden Abenden genießen wir den Sonnenuntergang über dem Meer. Natürlich geht die Sonne nicht direkt über dem Meer unter, das geht ja rein geographisch schon nicht, aber trotzdem ist es ein wunderschönes Schauspiel, wie sie Sonne sich im Meer spiegelt und hinter der Landmasse verschwindet.


Für uns geht eigentlich schon an diesem Ort unsere Reise zu Ende. Natürlich müssen wir noch mal 380 km nach Noosa fahren und dort das Auto ausladen und etwas säubern. Und klar, das Ding will auch wieder zurück nach Brisbane. Das alles aber ist irgendwie abgekoppelt von unserem Gefühl, eine Reise getan zu haben. Die Länge von 19 Tagen war für uns genau richtig, kurz vor Ende setzte der Hüttenkoller ein und wir waren weder traurig noch erleichtert, als wir unser Schiff wieder abgeben mussten. Vielmehr waren wir voll und satt und glücklich über alles Erlebte.

Die letzten Tage verbrachten wir dann ohne große Abenteuer in Noosa und kamen noch einmal richtig zur Ruhe, bevor wir Abschied nehmen mussten von Australien, von Queensland, von Wärme, Strand und Meer und nicht zuletzt von meinem Bruder und seiner Familie.



Wir haben so viel erlebt, man kann es leicht vergessen. Diese Reiseberichte haben mir geholfen, noch einmal mit Abstand auf alles zu blicken und wichtiges festzuhalten. Erfahung und Bilder zusammen zu legen und manches zu vertiefen, was in der Flut der Erlebnisse vielleicht untergegangen ist.
Australien ist ein Land, dass ganz anderes tickt als Deutschland. In dem vieles, was wir für wichtig erachten, kaum Beachtung geschenkt wird. Artenvielfalt, Umweltschutz - das alles erscheint für Außenstehende oft ausbaufähig. Auch der Umgang mit der eigenen Vergangenheit hat scheinbar Lücken. Dafür ist es ein Land voller freundlicher Menschen. Mit jedem Verkäufer kann geplaudert werden, fast jeder ist offen für Begegnungen. Etwas, was uns hier sofort gefehlt hat, gleich schon bei der Einreise. Es ist eben ein ganz anderes Land. Faszinierend anders. Und sechs Wochen reichen nicht aus, um mehr als einen Eindruck zu gewinnen. Dieser aber ist Bleibend.

Herzlich,
Janine


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