Dieser Beitrag ist für alle, die linkshändig stricken . Für alle, die gerne über ihren Tellerrand gucken. Für alle, die linkshändig Strick...

Stricken: left handed, combined, continental - WHAT?!

13.2.18 Janine 4 Comments

Dieser Beitrag ist für alle, die linkshändig stricken. Für alle, die gerne über ihren Tellerrand gucken. Für alle, die linkshändig Strickende kennen und für alle, die (egal ob linkshändig oder rechtshändig) immer denken, dass sie "komisch stricken"

Es ist ein sehr langer Beitrag mit viel Inhalt. Also nichts für mal eben zwischendurch. Sucht euch am besten einen gemütlichen Platz und lest ihn in Ruhe durch. Vielleicht kann ich der ein oder anderen helfen. Denn der Beitrag ist entstanden aus der Erkenntnis, dass "irgendwas mit dem Stricken" bei mir nicht stimmt.

Derzeit stricke ich (noch immer) am No Frills Cardigan. Ein von oben nach unten in eins zu strickendes Teil, also eines, wo man die Ärmel gleich in einem Zug mitstrickt. Und genau dort, beim Übergang von Reihen zu Runden an den Ärmeln, erkannte ich: mein Maschenbild stimmt mal wieder nicht. Das war mir nicht neu, ich kannte das Problem schon vom Coal Cardigan, ignorierte es aber einfach. Diesmal hat es mich aber geärgert, denn ich wollte/will den No Frills perfekt haben. Daher begann ich zu recherchieren, was mein Problem ist und dieser Beitrag hier ist das Ergebnis.


No Frills Cardigan - mit korrekt gestrickten Ärmeln, der Suche sei dank


Schaut man sich im Netz und in Büchern (in der europäisch-amerikanischen Sphäre) um, so erscheint es, als gäbe es nur eine Art zu Stricken. Fertig. Und die "richtige" Art zu stricken ist die so genannte westliche Art. Dieses "westliche"  oder "normale" Stricken lernt man in fast allen Anfängerkursen und findet sie auch in YouTube Videos. Auch Anleitungen sind mit fast 100% Wahrscheinlichkeit an diese Art angepasst. Aber wie es immer ist auf dieser Welt: es gibt noch mehr! Viele Wege führen nach Rom bzw. zum fertigen Strickwerk. 

Neben der "western" Methode gibt es zum Beispiel die "eastern uncrossed" Version. Diese liefert das gleiche Maschenbild wie die "western" Methode und wird einfach nur genau andersrum gestrickt. Und dann gibt es da noch die Methode des "combined knitting" - eine Mischung aus "eastern" und "western". 

Außerdem kann man alle drei Methoden nicht nur rechtshändig stricken, sondern auch linkshändig. Und den Faden "continental/picking" oder "english/throwing" halten.

Verwirrt? Ich versuche euch heute einiges davon zu erklären, bin mir der Lückenhaftigkeit meines Wissens aber bewusst.* Denn bis Ende Januar 2018 wusste ich von all dem NICHTS. Ich wusste nur, ich stricke nicht wie andere.

*Wenn ihr Fragen habt oder Anregungen: Her damit. Ich bin erst am Anfang eines ganz neuen Wissens!

Ich bin eine left handed, combined knitting, continental Strickerin! 


Ich kann euch sagen, dass diese Info für mich eine Offenbarung ist. Denn endlich hat meine Technik einen Namen und ist nicht mehr nur ein "komisches stricken".  So erschien es mir nämlich, seitdem ich feststellen durfte, dass meine Art zu stricken mit "niemandem" überein stimmt. Nicht nur, weil ich linkshändig stricke, sondern auch generell. Selbst beim schärfsten Umdenken von rechts auf links sahen Videos und Bilder von Maschentechniken nie aus wie bei mir.
Bis ich neulich Jeni Brown im Netz fand. Plötzlich gab es Fotos von einer Strickerin, die GENAU SO wie ich strickt: linkshändig, in der gemischten Ost-West-Technik, den Faden "continental" haltend!

Also stricke ich nur auf eine andere - durchaus bekannte - Weise, und nicht falsch oder komisch! Diese Information ist für mich wichtig. Denn sie sagt mir: Es ist alles richtig, was du tust, du musst nur gewisse Dinge beachten.

Also, nochmal zusammengefasst: Meine Strickmethode ist linkshändig (soviel wusste selbst ich schon), die östliche und westliche Technik verbindend ("combined") und mit dem Faden auf der Seite der nicht arbeitenden Nadel/non working needle ("continental"), was bei mir die rechte Hand ist.

Wie ich auf das Strickwerk gucke (Blick für euch über meine Schulter)

Ich versuche nun, genauer auf die einzelnen Komponenten der Technik einzugehen und diese Erkenntnisse miteinander zu verbinden. Fangen wir mit dem linkshändig Stricken an, unabhängig von "western"/"eastern" oder "combined".



Linkshändig Stricken  - Kein so großes Problem


Die meisten Menschen stricken rechtshändig, weil sie Rechtshänderin sind oder weil ihnen auch als Linkshänderin das Stricken mit rechts beigebracht wurde. Das macht für links Strickende das Lesen von Strickanleitungen schwieriger, denn logischerweise orientieren sich diese an der Mehrheit und sind damit für rechtshändig Strickende ausgelegt.

Nun ist es prinzipiell aber meist nur mit ein bisschen Kopfweh verbunden, die schriftlichen Anleitungen spiegelverkehrt zu lesen. Ich zumindest lese im Text stoisch "links" wo "rechts" steht und andersherum. Natürlich nicht bei der Frage ob linke oder rechte Masche, sondern bei Begriffen wie "linke Nadel" oder "rechte Hand". Genau so bin ich bisher auch bei Anleitungen für besondere Techniken verfahren. Immer wenn es bezogen auf die Händigkeit Begriffe gibt, passe ich sie auf meine Linkshändigkeit an.



Strickschriften lesen

Strickschriften werden in Strickrichtung gelesen. Das bedeutet: In der ersten Reihe von rechts nach links, in der zweiten Reihe von links nach rechts und so weiter. Eben in Strickrichtung für rechtshändig Strickende. Wir linkshändig Strickenden stricken aber die erste Reihe von links nach rechts und folgerichtig die zweite Reihe von rechts nach links. Also stimmt die Strickschrift mit der Strickrichtung nicht überein.

Das hat mir noch nie größere Probleme gemacht. Bei den meisten Musterfolgen ist es tatsächlich egal ob sie links oder rechts beginnen und somit habe ich bisher immer wie die rechtshändig Strickenden gelesen und kam ans Ziel. Bei gestrickten Bildern (zum Beispiel Rentiere gucken alle nach rechts) würde das Muster einfach spiegelverkehrt erscheinen (die Rentiere gucken alle nach links). Ich habe das allerdings noch nicht ausprobiert, es erscheint mir aber logisch.

Ansonsten ist es bei symmetrischen Anleitungen völlig egal. Denn Pullis und Jacken haben zwei gleiche Armausschnitte, der Halsausschnitt ist symmetrisch und so weiter. Linkshändig strickt man dann eben den rechten Ärmelausschnitt oder den rechten Raglan zuerst. Was solls.
Anders ist es bei asymmetrischen Anleitungen, zum Beispiel, wenn Knopflöcher direkt in das Pattern eingestrickt werden. Hier muss sich die linkshändig Strickende die Frage stellen, wo sie diese haben will. Denn wenn die Anleitung nicht angepasst wird, sind sie auf der entgegengesetzten Seite. Das bedeutet bei Frontleisten mit Knöpfen also: Ändern wir nichts an der Anleitung, liegt bei uns die Knopfleiste anders herum. Mir persönlich kommt das sehr entgegen, denn die für Rechtshänderinnen ausgelegte (!) Standardknopfleiste ist eh falsch herum für mich. Möchte man die Leiste aber wie vorgesehen knöpfen (weil z.B. die Jacke für eine Rechtshänderin gestrickt wird), muss man die Seite mit den Knopflöchern in der Anleitung tauschen.

Laut Karen von The Left Handed Knitter kann man symmetrische Strickschriften sogar einfach andersherum lesen, also in der eigenen, links beginnenden Strickrichtung. Hier gelten als Ausnahme Anleitungen, in denen an einem Rand eine Abnahme (bind off) vorgesehen ist. Das finde ich sehr interessant und werde das auf jeden Fall mal testen. Dann spart man sich auch das anpassen der Abnahmen (siehe unten) und die o.g. Rentiere würden wieder in die "richtige" Richtung gucken. :)

Strickrichtung beachten

Manchmal muss man an ein Strickstück neue Maschen anschlagen, zum Beispiel für eine später angestrickte Knopfleiste. Dann ist es wichtig im Kopf zu haben, dass man spiegelverkehrt strickt. Das bedeutet: Wo rechtshändig Strickende oben am Strickstück mit Maschenaufnahme beginnen sollen, müssen wir unten beginnen und umgekehrt (sonst stricken wir auf der falschen Kleidungsseite). Das wiederum bedeutet, dass wir - sofern wir der Anleitung blind folgen - die Knopflöcher auf der linken Seite des Kleidungsstückes (also der Innenseite) stricken. Wenn man das nicht möchte, muss man die Anleitung modifizieren, indem man zB eine Reihe früher oder später (auf der rechten Seite) mit Löchern beginnt. Noch wichtiger ist es, dieses "Problem" im Kopf zu haben, wenn die Knopflöcher nicht von oben bis unten durchgehen! In diesem Fall reicht es, sich einen Überblick zu schaffen, wann in der Anleitung die Löcher gestrickt werden und dann rückwärts zu zählen.



Sagen wir, die Löcher beginnen von oben kommend 6M vom Hals. Dann wird in Abständen die gewünschte Lochzahl gestrickt und dann weiter reinfach rechts bis zum Bündchen. Die Angabe zur Maschenanzahl fehlt hier meistens, weil irrelevant. In dem Fall werden linkshändig Strickende vom Bündchen her kommen und müssen nun ausrechnen, wie viele Maschen bis zum letzten Loch der Anleitung (also dem für sie ersten Loch) zu stricken sind. Das ist eine leichte Rechenaufgabe und nicht wirklich schwierig.

Hier mal ein Beispiel mit 50 Maschen für die Knopfleiste:

Original Anleitung: 6M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, 4M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, 4M stricken, Umschlag, 2M zusammenstricken, den Rest stricken.  Es entstehen 3 Löcher im oberen Teil.

Modifizierte Anleitung: Wir rechnen 50M - 20M (6M+2M+4M+2M+4M+2M)= 30M und stricken: 30M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 4M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 4M stricken, 2M zusammenstricken, Umschlag, 6M stricken.

So schlimm ist es gar nicht, oder?
Abnahmen sind ein Thema für sich. Manchmal haben sie keine Funktion außer, dass das Strickstück kleiner werden soll. Manchmal aber haben sie eine dekorative Funktion oder werden zusammen mit Umschlägen für Lacemuster gebraucht. Und manchmal ist ihre Richtung wichtig, z.B. bei Raglanärmeln.

Geht trotzdem: Gestrickt  nach Anleitung ohne Ahnung von richtungweisenden Abnahmen oder Lochmustern



Abnahmen beim linkshändigen "western" Stricken

Es gibt links geneigte Abnahmen und rechts geneigte Abnahmen. Bei Rechtsstrickerinnen erzeugt das so genannte SSK (= slip slip knit/ 2M wie beim rechts stricken abheben und dann wie gewohnt verstricken) eine links geneigte Abnahme. Und das K2TOG (= knit two together / 2M rechts zusammenstricken) eine rechts geneigte Abnahme.

Bei Linksstrickerinnen ist es, weil wir ja spiegelverkehrt stricken genau andersherum!
Links geneigte Abnahmen durch K2TOG 
Rechts geneigte Abnahmen durch SSK 

Wenn man das erstmal weiß, ist es ganz leicht. Tauscht einfach die Begriffe in der Anleitung aus. Dort, wo die Richtung nicht relevant ist, könnt ihr auch einfach immer 2 Maschen zusammenstricken.

Bitte beachtet, dass Abnahmen beim linkshändig Stricken mit "combined" Methode nochmals anders ist. Mehr dazu gibt es weiter unten.

Weitere Webtips (englisch) zum Thema linkshändig (oder "mirror") Stricken:
knitburo
let me explainKnit




Combined Stricken - auch hier: Kopf an



Nun ist es aber mit dem linkshändig Stricken bei mir nicht getan. Denn ich stricke nicht "western links", sondern "combined links". Das birgt ein paar andere Herausforderungen, die ich versuche hier zu entschlüsseln.

Meines Wissens gibt es drei Arten glatt rechts zu stricken (also Hinreihe rechts, Rückreihe links):
"WESTERN" - hier wird über das vordere Maschenbein gestrickt, bei rechten Maschen wird der Faden im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt, bei linken Maschen gegen den Uhrzeigersinn.
"EASTERN" - hier wird über das hintere Maschenbein gestrickt, bei rechten Maschen wird der Faden gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt, bei linken Maschen im Uhrzeigersinn.
"COMBINED/COMBINATION" - hier werden rechte Maschen über das hintere Maschenbein, linke Maschen über das vordere Maschenbein gestrickt. Der Faden wird immer im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.

In Reihen völlig schnurz




"Combined" ist also eine Mischung aus westlicher und östlicher Strickart. Eine gute Übersicht zur Maschenanatomie findet man bei Tina von Tichiro.net. Das ist generell ein sehr aufschlussreicher Text, weil er viel über Varianten und Maschenbild erklärt.

Wichtig ist nun zu wissen, dass bei der "Combined" Methode die rechten Maschen verschränkt gestrickt werden. Das ist nicht schlimm, denn diese Verschränkung hebt sich auf dem Rückweg mit dem Stricken der linken Maschen wieder auf. Somit entsteht ein "normales" glatt rechtes Maschenbild - solange man in Reihen strickt.


Stolpersteine

RUNDEN
Da in Runden die linke Seite entfällt, strickt man bei "Combined" ausschließlich verschränkte rechte Maschen. So habe ich es tatsächlich lange Zeit getan, ohne davon zu wissen. Bei Socken fällt das nur minimal auf, bzw. tut nicht viel am Ergebnis. Nur wenn man die Käppchenferse mit Hin- und Rückreihen strickt, entdeckt man einen Unterschied im Maschenbild.

Unschön wird es bei Kleidung, die von oben nach unten am Stück gestrickt wird. Denn dort wo vom Reihenstricken auf Runden gewechselt wird (=Ärmel) verändert sich das Maschenbild sichtbar. So geschehen bei meinem ersten Cardigan. Erst dachte ich das sei vielleicht so - nein, ist es nicht. Dann hoffte ich, es "wäscht sich aus" - vergebens. Jetzt erst, während ich den No Frills Cardigan stricke, verstehe ich, warum dieser Unterschied auftritt.



Um die verschränkten Maschen zu vermeiden, müssen beim Wechsel auf Runden die rechten Maschen nicht durch das hintere Bein abgestrickt werden, sondern indem man von vorn durch die Masche geht, sie also wie beim "westlichen Stricken". Großer AHA Moment, als mir das klar wurde und ich auch Erfolg hatte beim Ausprobieren! Nach einer längeren Recherche fand ich bei Jeni dazu die Bestätigung.

Das bedeutet: Wer "combined" strickt und auf Runden wechselt mitten im Strickstück, sollte dort auf "western" wechseln. Das ist bei rechten(!) Maschen kein Problem und erfordert nur ein kurzes Umdenken. Also keine Sorge, dieser Wechsel der Methode ist recht unproblematisch.

Weil beim "combined" Stricken also die verdrehte rechte Masche sich nur durch eine linke Masche aufhebt, ergeben sich noch ein paar weitere Stolpersteine, die aber nur bedingt "schlimm" sind und alle Muster betrifft, bei denen die rechte Masche nicht durch eine linke Masche aufgelöst wird, zum Beispiel kleines  Perlmuster oder kraus rechts.


KRAUS RECHTS
Beim kraus rechts stricken habe ich die Unterschiede zu "western" erst im direkten Vergleich gesehen. Es entsteht ein anderes Maschenbild und die Höhe des Strickabschnittes wird größer, man braucht also weniger Reihen für die gleiche Höhe. Im direkten Vergleich sieht es tatsächlich auch nicht so schön aus, wie bei "western"gestrickten Maschen.
Daher würde ich sagen, ein kraus rechts gestricktes Stück ist vielleicht wirklich hübscher in der "western" als in der "combined" Methode. Wenn nur ein kurzes Stück, z.B. der Rand über zwei/drei Reihen kraus rechts gestrickt wird, finde ich es nicht so problematisch und würde einfach "combined" stricken.

linke Seite: kraus rechts combined - rechte Seite: kraus rechts western



"Combinded" und Abnahmen

Wie schon beim linkshändig Stricken muss auch beim "combined" Stricken beachtet werden, dass die Neigerichtung bei Abnahmen anders ist als beim "western" Stricken.
Rechtshändige "combined" Strickerinnen - das sage ich der Vollständigkeit halber - können einfach K2TOG und SSK untereinander austauschen.

Linkshändige "combined" Strickerinnen aber können das nicht. Die gute Nachricht: K2TOG linkshändig combined ergibt genau wie western rechtshändig eine nach rechts geneigte Abnahme. YEAH!
Für eine links geneigte Abnahme müssen wir aber K2TOG-TBL stricken. Also zwei Maschen zusammen stricken durch die hintere Schlaufe. "Hintere Schlaufe" bedeutet in diesem Fall nicht "hinter der Nadel" sondern das weiter hinten stehende Maschenbein, welches sich vor der Masche befindet. Es werden also nicht wie beim K2TOG zwei Maschen durch die hinteren Beine rechts abgestrickt, sondern die linke Nadel wird vorn von rechts nach links durch die 2. und dann die 1. Masche geschoben und dann wird regulär rechts abgestrickt. Toll erklärt hat dies Jeni Brown.

WICHTIG: Weil wir immer noch linkshändig stricken und deshalb mit der anderen Seite beginnen, als in den Anleitungen vorgesehen, ist es notwendig, 1) SSK durch K2TOG-TBL zu ersetzen und b)  die Begriffe K2TOG und K2TOG-TBL (ehemals SSK) miteinander auszutauschen. So sind die Abnahmen immer korrekt.

Wenn die Abnahmen keinen zierenden Zweck erfüllen, spare ich mir das Denken übrigens und stricke immer einfach nur zwei Maschen zusammen.

Überblick



Western rechts Western links Combined rechts Combined links
Rechte Masche Das vordere Maschenbein wird gestrickt, der Faden wird im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt. Die Masche wird über das hintere Maschenbein gestrickt, der Faden wird im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.
Linke Masche Das vordere Maschenbein wird gestrickt, der Faden wird gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt Die Masche wird über das vordere Maschenbein gestrickt, der Faden wird immer im Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt.
Rechtsgeneigte
Abnahme
K2TOG SSK SSK K2TOG
Linksgeneigte
Abnahme
SSK K2TOG K2TOG K2TOG TBL

 

 

Und was ist "Continental"?


Diese Frage lässt sich recht schnell beantworten. "Continental" ist eine der beiden Möglichkeiten, den Faden zu halten, nämlich auf der Hand mit der Arbeitsnadel oder eben auf der anderen Hand. Für linkshändig Strickende heißt das:
"English/throwing" = Faden auf der linken Hand  (Arbeitshand)
"Continental/picking" = Faden auf der rechten Hand (nicht Arbeitshand)

(Für die rechtshändigen ist es umgekehrt, logisch)


Der Faden liegt auf der rechten Hand, die linke Hand hält die Arbeitsnadel



Es scheint so, dass die Fadenhaltung Einfluss auf die Art der Strickmethode hat. Für Leute, die den Faden "continental" halten ist die "western" Art für linke Maschen ungleich umständlicher als für diejenigen, die den Faden "english" halten. Es scheint auch so, dass linkshändig Strickende diese Fadenhaltung bevorzugen. Einfluss auf das Stricken hat die Haltung eben nur, wenn dadurch das Verstricken der Maschen komfortabel oder unkomfortabel wird.


Ein Hoch auf die Vielfalt!


So, jetzt habe ich alles zusammengetragene Wissen hier ausgebreitet. Puh. Und ich höre schon einige sagen: "Wäre es nicht einfacher, man würde wenigstens auf 'western linkshändig' umsteigen?"
Vielleicht wäre es einfacher Strickschriften zu folgen. Aber einfacher zu stricken wäre es nicht. Eine angelernte Technik umzulernen bedeutet viel Arbeit und vermutlich mehr Kopfschmerzen als die Anleitungen anzupassen. Zumal ich glaube, dass die drei Komponenten "linkshändig", "combined" und "continental" zusammenhängen. Linke Maschen auf "western" Art mit "continentaler" Fadenhaltung stricken geht nicht wirklich flüssig.

Also nein, ich möchte meine Art zu stricken nicht dauerhaft ändern. Ich liebe Vielfalt und ich weiß: Es gibt viele "Wege nach Rom". Alle Methoden haben ihre Berechtigung und ich fände es schade, wenn eine verschwinden würde, nur weil die Mehrheit nunmal die andere Technik bevorzugt.
Ich mache aber einen Kompromiss: Da wo die rechte Masche kein linkes Pendant bekommt (wie kraus oder in Runden stricken) funktioniert es nur semi gut und ich bin gewillt, dort die rechten Maschen auf "western" Art zu stricken. Linke Maschen nach "western" Art sind für mich fürchterlich zu stricken und ich werde wohl nur in Runden gestrickte Bündchen so arbeiten, da ist das Ende vom Elend abzusehen.

Ganz arg am Herzen liegt mir, dass wir davon weg kommen, Menschen zu raten "einfach auf rechts umzulernen". Solche Äußerungen verkennen die Tatsache, dass viele Linkshänderinnen eben nicht "einfach" umlernen können. Es tut richtiggehend weh umzudenken. Und Linkshänderinnen können hervorragend mit links stricken, das ist also kein Problem. Es ist an uns allen, das Wissen über verschiedene Wege weiter zu geben und nicht aufzugeben, weil jemand uninformiert ist und dir sagt "du machst das falsch" oder "lern es lieber anders".
Natürlich brauchen linkshändig Strickende ab einem gewissen Punkt mehr Hintergrundwissen. Aber seit wann schadet das? Mehr Wissen, Fachfrau werden - was für ein genialer Nebeneffekt! Wenn man nicht mehr nur nach Schema strickt, sondern versteht, was da passiert. Ich sehe darin kein Problem.

Am Ende zählt, dass man bei dem, was man tut glücklich ist. Stricken soll Spaß und Freude bringen. Und zu wissen, dass nicht nur ein Weg zum Ziel führt, kann helfen, den individuellen richtigen Weg zu finden. Wenn es also mal hakt mit dem Handarbeiten, auch rechts und links gucken - vielleicht liegt dir ein anderer Weg einfach besser.


Herzlich,
Janine

Kommentare :

  1. Liebe Janine, danke dir für das Zusammentragen dieser ganzen Informationen! Ich bin zwar Rechtshänderin, habe aber trotzdem eine interessante Info mitgenommen. Wenn ich alles richtig verstanden habe stricke ich “western“ und “continental“. Und ich finde das Stricken linker Maschen furchtbar. Bei mir sieht man den Übergang von Reihen zu Runden an der Gleichmäßigkeit des Strickbildes. Hab schon verschiedenes probiert um das zu ändern. Aber jetzt muss ich doch mal testen ob eine andere Fadenhaltung vielleicht hilft. Ich werde berichten.
    Liebe Grüße
    Metti

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    1. Liebe Metti,
      ich freu mich, dass du etwas aus meinem Wissenssammelsorium ziehen konntest. Ich glaube auch, linke Maschen fallen die ggf leichter mit der englischen Fadenhaltung. So habe ich es zumindest bei der Recherche gelesen. Vielleicht ändert sich auch das Strickbild. Wir es ungleicher mit nur rechten Maschen in Runden? Oder wird es gleichmäßiger? Denn spräche es ja dafür, dass durch das umständlich linke Maschen stricken das Strickbild ungleichmäßiger wird. Angeblich wird es auch gleichmäßiger, wenn man combined statt western strickt. Das kann ich für mich nicht bestätigen.
      Lass mich wissen, was du probiert hast und ob etwas geholfen hat.

      Liebe Grüße
      Janine

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  2. Liebe Janine, danke für deinen hilfreichen Artikel,der mich bestimmt zum Experimentieren bringen wird. Auch als Rechtshänderin, die strickt, wie sie es in der Schule gelernt hat, finde ich das Stricken linker Maschen sehr unbequem und es verursacht bei mir sogar Verspannungen in der rechten Schulter. Grund genug also, es mal anders zu versuchen! Herzliche Grüsse Priska

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    1. Hallo Priska,
      genau deshalb wollte ich die Begriffe "Rechthänderin" und "Linkshänderin" vermeiden, weil die Techniken nicht zwangsläufig abhängig sind von der Händigkeit. Und irgendwie ist fast alles miteinander kombinierbar. Ich fände es super, wenn deine verspannten Schultern durch einen neuen Weg Geschichte sind und du entspannt linke Maschen stricken kannst. Das wäre grandios!
      Viel Erfolg
      Janine

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